Praxisleitfaden: Wachstumsregler im Getreide gezielt einsetzen!

Geschrieben von Sophie Flick

BAT Versuchswesen und Beratung Pflanzenbau

Stand: 08.04.2026

Trotz des langen Winters ist das Getreide gut in die Vegetation gestartet. Die ersten Düngemaßnahmen sorgen aktuell für eine gute Nährstoffverfügbarkeit. Die Bestände sind zum Teil unterschiedlich entwickelt, wobei sich in diesem Jahr viele dicke Bestände zeigen, sprich während der Bestockung wurden viele Triebe gebildet. Überwiegend befinden sich die Getreidebestände derzeit im Stadium BBCH 29/30.

Ab Anfang/ Mitte April beginnt der Langtag, für die Getreidepflanze das Signal zum Schossbeginn. Gerade bei der ersten Wachstumsreglermaßnahme geht es nicht nur um die „Einkürzung“ der Bestände, sondern auch darum, den Erhalt oder die Reduktion von Nebentrieben zu fördern. Dazu ist die Kenntnis über die Wirkung der möglichen Wachstumsreglerwirkstoffe hilfreich:

 

Wirkstoff Produkt-Beispiele Einsatzbedingungen Wirkungsweise Wirkungsgeschwindigkeit Wirkungsdauer
 Chlormequatchlorid Regulator 720 Ab 6-8 °C Hemmung der Gibberellinsynthese Schnell 8-10 Tage
Mepiquatchlorid Medax Top Ab 6-8 °C, auch bei bedecktem Wetter Hemmung der Gibberellinsynthese Schnell 8-10 Tage
Trinexapacethyl Modan 250 EC Ab 12 °C, UV-Strahlung fördert die Wirkung Hemmung der Gibberellinaktivität Langsam Bis 14 Tage
Prohexadion-Calcium

Prodax Fabulis OD

Ab 10 °C Hemmung der Gibberellinaktivität Mittel Bis 10 Tage
Ethephon Padawan Plus Ab 15 °C Fördert Reifeprozesse, festigt die Zellwand Schnell 2-4 Tage

Winterweizen Bestockungsende (BBCH 29-30)

In spät entwickelten Beständen wird mit einem Wachstumsregler bis BBCH 30 vor allem auf die Streckung des 1. Internodiums eingewirkt. CCC oder Mepiquatchlorid wirken dabei vor allem auf den Haupttrieb (Brechung der apikalen Dominanz). Das kann positive Effekte auf die Entwicklung der Nebentriebe haben. Diese Maßnahme ist am ehesten in später gesätem Weizen zur Bestandesregulierung sinnvoll. Unter trockenen Bedingungen oder auf leichten Böden ist die Aufwandmenge anzupassen. 

Empfehlung Wachstumsregler in Weizen bis BBCH 30 zum „Glattziehen“

  • Regulator 720 1,0 l/ha (720 g/l Chlormequatchlorid)      
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Winterweizen, Roggen, Triticale Schossbeginn (BBCH 30/32) 

Die Ende September gedrillten Getreidebestände befinden sich zurzeit überwiegend im Stadium BBCH 30. Im Vergleich zu den letzten beiden Jahren ist in diesem Jahr das Kurztaginternodium so gut wie gar nicht vorhanden. Die eher kühleren Temperaturen haben zu langsamerem Wachstum geführt. Mit Beginn des Langtages bildet sich das erste richtige Internodium. In Weizenbeständen, die sich in BBCH 30/31 befinden und 2-3 gleichmäßige Triebe gebildet haben, sollte die Einkürzung mit mehr Betonung auf Trinexapac (sonniges Wetter ab ca. 12 °C) und/oder Prohexadion-Calcium (ab ca. 10 °C) erfolgen. Diese Wirkstoffe vermindern die Streckung der aktuellen Internodien und haben eine Dauerwirkung von 10-14 Tagen, Prohexadion-Calcium wirkt etwas schneller als Trinexapac-ethyl.

Empfehlung Wachstumsregler in Weizen, Roggen und Triticale in BBCH 30/32

  • Modan 250 EC 0,2- 0,3 l/ha (250 g/l Trinexapac-ethyl)                                                 
  • Fabulis OD 0,5 l/ha (50 g/l Prohexadion-Calcium)                                                                             
  • Prodax 0,5 kg/ha (75 g/kg Trinexapac-ethyl + 50 g/kg Prohexadion-Calcium)

Regulator 720 wirkt in dieser Phase bereits auf das 2. Internodium, das sich gerade zu strecken beginnt. Eine Kombination mit den o.g. Produkten ist in dieser Phase sinnvoll. Die Aufwandmenge beträgt je nach Boden und Wasserversorgung 1,0-2,0 l/ha CCC.

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Versuchsergebnis zu Einkürzungsmaßnahmen

Ein Versuchsergebnis aus dem letzten Jahr bestätigt, dass die Einkürzungsmaßnahmen generell von verschiedenen Faktoren abhängig sind: 

  • Sorteneigenschaften: standfeste, kurzstrohige Sorten benötigen weniger Wachstumsregler.
  • Nährstoffversorgung des Bodens: mögliche N-Nachlieferung humusreicher bzw. organisch gedüngter Böden beachten
  • Wasserversorgung: Aufwandmengenreduktion auf zu Vorsommertrockenheit neigenden Böden
  • Einstrahlung: höhere Einstrahlung bewirkt eine verstärkte Einkürzung 

Pflegemaßnahmen, Bandow (MV) 2025, trockenes Frühjahr: 

16.04.2025: 1,5 l/ha CCC + 0,2 l/ha Modan 250 EC; 02.05.2025: 0,2 l/ha Countdown NT + 0,2 l/ha Cerone 660   

Der optimale Einkürzungstermin hängt von der Sorte und deren Eigenschaften (Reife, Pflanzenlänge ab)

Beispiel Pflanzenlänge: Pondor ist etwas zu stark eingekürzt, weil die Sorte insgesamt kurz ist (3), wohingegen SU Horizon länger (4) eingestuft ist und trotz gleicher Reife (4) optimal eingekürzt ist.

Wintergerste

Die Wintergerste befindet sich zurzeit meist in BBCH 30/31. Mit steigenden Temperaturen entwickelt sie sich ab Schossbeginn deutlich schneller als Weizen oder Triticale. Daher ist eine erste, gut platzierte Maßnahme in BBCH 31/32 bei wüchsiger Witterung wichtig für die Stabilisierung der unteren Halmabschnitte. Eine Anschlussmaßnahme sollte dann ca. 10-14 Tage später folgen, damit die Gerste sich nicht wieder „auswächst“. In der Regel ist die Wintergerste ausreichend bestockt, sodass eine Triebreduktion eher gewünscht sein dürfte als alle Triebe zu erhalten. Eine frühe Anwendung von CCC ist aus diesem Grund in der Gerste nicht zielführend. 

Empfehlung Wachstumsregler in Gerste in BBCH 31/32

  • Modan 250 EC 0,3-0,4 l/ha (250 g/l Trinexapac-ethyl)                                                   
  • Fabulis OD 0,5-0,6 l/ha (50 g/l Prohexadion-Calcium)                                                           
  • Prodax 0,5-0,7 kg/ha (75 g/kg Trinexapac-ethyl + 50 g/kg Prohexadion-Calcium)                      
  • Medax Top + Turbo 0,5-0,6 kg/ha (300 g/kg Mepiquat-chlorid + 50 g/kg Prohexadion-Ca.)       

Der Zusatz von 0,25 l/ha Padawan Plus (480 g/l Ethephon) zur Festigung der Zellwände ist erst ab Temperaturen von 15 °C sinnvoll. 

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Kombination mit einer Blattdüngung

Zusätzlich zum Wachstumsreglereinsatz bietet sich zum Schossen eine Blattdüngermaßnahme an, um die Mikronährstoffversorgung abzusichern. Mit dem Beginn des Längenwachstums steigt auch der Biomassezuwachs stark an, zudem werden die angelegten Ertragsanlagen weiter ausgebildet. In dieser Phase nimmt der (Mikro-)Nährstoffbedarf der Kulturpflanzen deutlich zu. Um das Getreide bestmöglich zu unterstützen ist eine Blattdüngung mit schnell pflanzenverfügbaren Mikronährstoffen eine gute Möglichkeit, um die erfolgreich angelegten Ertragsorgane zu versorgen. 

Empfehlung Blattdünger als Zusatz zur Wachstumsreglermaßnahme

  • vor BBCH 31: 2,0 l/ha BAT Pro Getreidestarter (95 g/kg Mn, 95 g/kg Zn, 27 g/kg Cu)                                    
  • ab BBCH 31/32: Green On Getreide 0,5 kg/ha (121 g/kg Mn, 84 g/kg Zn, 26 g/kg Cu, 127 g/kg S, 54 g/kg N)         
  1. BAT Pro GetreideStarter
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Das Wichtigste in Kürze

✅ Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Einsatz von Wachstumsreglern im Getreide?

Der optimale Einsatz beginnt je nach Entwicklungsstand meist ab BBCH 29/30. Mit dem Start des Langtages ab April setzt das Schossen ein, sodass frühe Maßnahmen gezielt die Halmstreckung und Triebbildung beeinflussen können.

✅ Welche Wachstumsregler eignen sich in den frühen Entwicklungsstadien besonders?

In frühen Stadien werden vor allem Wirkstoffe wie Chlormequatchlorid oder Mepiquatchlorid eingesetzt. Sie hemmen die Gibberellinsynthese, wirken relativ schnell und beeinflussen vor allem den Haupttrieb positiv.

✅ Wovon hängt die notwendige Aufwandmenge der Wachstumsregler ab?

Die Aufwandmenge von Wachstumsreglern im Getreide richtet sich nach Sorte, Boden, Wasserversorgung, Nährstoffniveau und Witterung. Standfeste Sorten sowie trockene oder leichte Böden erfordern in der Regel geringere Aufwandmengen. Bei hoher Lagergefahr oder guter Wasser- und Nährstoffversorgung sind hingegen höhere Aufwandmengen erforderlich.

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