Düngerstrategie für Weizen: So bleibt der Proteingehalt stabil!
Düngerstrategie für Weizen: So bleibt der Proteingehalt stabil!
Geschrieben von Christian Gölz
BAT Beratung Düngemittel und Düngung
Stand: 29.01.2026
Auf fast der Hälfte der deutschen Getreidefläche wird Winterweizen angebaut. Diese Kultur ist damit eine der größten Ackerfrüchte und für viele Betriebe auch wirtschaftlich von hoher Bedeutung. Ein Großteil des geernteten Weizens soll später zur Erzeugung hochwertiger Lebensmittel verwendet werden. Dazu müssen jedoch einige Anforderungen an die Qualitätsparameter für Weizen, beispielsweise ein ausreichend hoher Rohproteingehalt, erfüllt werden.
Im Schnitt der letzten Jahre, abgesehen vom Erntejahr 2025, haben die Rohproteingehalte in den angelieferten Weizenpartien, ergänzt um wenige Ausnahmen, jedoch permanent abgenommen. Ein Großteil der Abnehmer ist aber auf entsprechend hohe Proteingehalte im Backgetreide angewiesen. Für den Export ist der Eiweißgehalt ebenfalls ein wertbestimmender Faktor. Weizen mit zu niedrigem Rohproteingehalt kann oft nur als Futterweizen, mit entsprechenden Preisabschlägen, vermarktet werden.
Insbesondere im Hinblick auf die N-Düngerestriktionen, welche durch die Novellierung der Düngeverordnung (DüV) festgelegt wurden, ist die Erzeugung von Qualitätsweizen zunehmend schwieriger geworden.
Die Ursachen für den Rückgang der Rohproteingehalte sind vielschichtig und können meist nicht alleinig an einer reglementierten Stickstoffdüngung festgemacht werden.
Nährstoffversorgung
Ist das Stickstoffangebot limitiert, gilt es die Grundnährstoffe wie Phosphat, Kalium, Magnesium, Calcium und Schwefel ins Optimum zu bringen. Bis auf Schwefel sind die Nährstoffe im Boden mehr oder weniger mobil und meist an Austauscher gebunden. Schwefel verhält sich hingegen ähnlich wie Nitrat und ist in der Bodenlösung sehr mobil und dadurch leicht auswaschbar.
Je schwerer der Boden, desto besser ist in der Regel die Austauschkapazität, je leichter der Boden, desto stärker ist die mögliche Verlagerung der Nährstoffe durch Auswaschung aus dem Wurzelraum. Daher ist eine Ausgleichsdüngung der genannten Nährstoffe v.a. auf leichten Böden spätestens alle drei Jahre unumgänglich. Wird das Stroh abgefahren und erfolgt keine Rückführung in Form von organischen Düngern, so muss dies ebenfalls bei der mineralischen Grunddüngung beachtet werden. Denn auch Phosphor und Kalium haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Qualität der späteren Ernte.
Phosphor: Dieser Nährstoff ist wichtig für das Wurzelwachstum und die Blütenbildung. Eine ausreichende Phosphorversorgung fördert nicht nur das Wachstum, sondern auch die Proteinsynthese.
Kalium: Kalium spielt eine Schlüsselrolle bei der Regulation des Wasserhaushalts in der Pflanze sowie bei der Photosynthese. Ein optimaler Kaliumgehalt kann dazu beitragen, Stresssituationen besser zu bewältigen und somit Qualität und Ertrag des Weizens zu steigern.
Für eine erfolgreiche Überwinterung der Saat ist neben einer ausreichenden Versorgung mit Makronährstoffen wie Kalium und Magnesium, auch die Spurenelementversorgung mit Nährstoffen wie Kupfer, Mangan und Zink elementar. Insbesondere auf Flächen, die in der Vergangenheit nicht oder nur geringfügig mit organischen Düngern versorgt wurden, tritt häufig ein Mangel dieser Nährstoffe auf, aber auch auf Flächen die häufig mit Gülle oder Mist gedüngt werden kann ein Mangel in der Kulturpflanze in Erscheinung treten. Staunässe, schwierige Aussaatbedingungen oder mögliche Nährstoffantagonismen sind Gründe dafür. Hier sollten dann im Frühjahr zu Vegetationsbeginn durch eine Blattdüngung mit Spurennährstoffen wie Kupfer, Mangan und Zink mögliche Mangelsituationen vermieden werden. Um möglichst exakt zu Düngen und gut über die Nährstoffsituation im Boden Bescheid zu wissen sind die verpflichtenden Grundbodenuntersuchungen elementar. Aber auch eine umfangreiche Analyse der organischen Dünger bietet einen ersten Überblick welche Makro- und Mikronährstoffe gedüngt werden sollten.
Folgenden Blattdünger empfehlen wir bei möglichen Mangelerscheinungen aufgrund Spurennährstoffen:
BAT Pro Getreide Starter ist ein Mehrnährstoffdünger, der die wichtigen Spurenelemente Mangan, Kupfer und Zink enthält. Die Zuführung von Spurennährstoffen über das Blatt ist die effektivste Form der Ausbringung. Folgende Inhaltsstoffe sind enthalten:
Ab dem Frühjahr gilt es mit der richtigen N-Düngestrategie und Bestandesführung, die im Herbst gelegte Grundlage erfolgreich zur Ernte zu bringen.
Für eine effiziente Stickstoffaufnahme und Verwertung in der Pflanze muss ab Vegetationsbeginn ausreichend pflanzenverfügbarer Schwefel in Form von Sulfat-Schwefel vorhanden sein. Dieser sollte bereits mit der ersten Stickstoffgabe gedüngt werden, da zu Vegetationsbeginn die Mineralisierung von Stickstoff und Schwefel aus den Bodenvorräten nur sehr langsam vonstattengeht. Hierzu bieten sich schnell verfügbare Stickstoff-Formen wie Nitrat und Ammonium in Kombination mit Sulfatschwefel an.
Wird Harnstoff eingesetzt sollte dieser bereits kurz vor dem Vegetationsbeginn ausgebracht werden.
Mit der ersten N-Düngung im Frühjahr soll die Bestockung des Getreides angeregt werden. Je nach Bestandesdichte und Ertragsziel kann die Menge, der Zeitpunkt und auch die N-Form angepasst werden.
Grundsätzlich gilt: Schwache Bestände können mit Ammonium-Nitrat verstärkt zur Bestockung angeregt werden. Hier sollten KAS, Sulfan oder ASS zum Vegetationsstart eingesetzt werden. Üppig entwickelte Bestände sollten etwas vorsichtiger mit ammonium- oder harnstoffhaltigen Düngern wie SSA, ASS oder Harnstoff (UI) angedüngt werden.
Wird Harnstoff als N-Düngemittel eingesetzt muss der Dünger rechtzeitig ausgebracht werden. Da Pflanzen Stickstoff größtenteils als Nitrat- und Ammoniumsickstoff aufnehmen, muss für die Umwandlung von Harnstoff in diese N-Formen Zeit und Temperatur eingeplant werden.
Eine Blattdüngung mit Phosphor im zeitigen Frühjahr fördert die Bewurzelung und beugt latentem P-Mangel vor. Hier bietet sich folgender Dünger an:
BAT Pro Phosphor Aktiv ist ein Mehrnährstoffdünger, der Phosphor, Stickstoff und Kalium, sowie in geringeren Mengen Bor, Kupfer, Mangan, Zink und Eisen enthält. Der Mineralstoff Phosphor ist für die Pflanzenentwicklung maßgeblich. Folgende Inhaltsstoffe sind enthalten:
Mit der zweiten Gabe, ab BBCH 30, wird auf die Ertragsbildung, in Form der Ährenzahl abgezielt. Mit dieser Düngungsmaßnahme sollen die angelegten Triebe gefördert werden. Bei schwachen Beständen sollte die Maßnahme etwas früher (ab BBCH 30) stattfinden. In dichten Beständen kann auch bis BBCH 32 gewartet werden.
In Regionen mit ausgeprägter Frühsommertrockenheit empfiehlt es bereits vor Beginn der Trockenperiode rund 80 % des N-Bedarfs gedüngt zu haben. Zudem sollte der Dünger durch ausreichende Niederschläge in den Boden eingewaschen werden. Dazu kann der restliche, nach Bedarfsermittlung, freie Stickstoff in einer etwas späteren 2. Gabe gedüngt werden. Um hier unnötige Stickstoffverluste zu vermeiden, ist die stabilisierte Stickstoffdüngung zu bevorzugen. Dabei wird auf Dünger mit Nitrifikationshemmer und Ureaseinhibitoren gesetzt.
Ureaseinhibitoren hemmen die Umwandlung von Harnstoff zu Ammonium durch das Enzym Urease. Findet diese Umwandlung unter suboptimalen Bedingungen auf der Bodenoberfläche statt, kann es zu hohen N-Verlusten in Form von Ammoniak kommen. Um dies zu verhindern, werden Ureaseinhibitoren eingesetzt.
Nitrifikationshemmer verzögern die Umwandlung von Ammonium über Nitrit zu Nitrat. Dadurch wird eine ammoniumbetonte, an den Pflanzenbedarf angepasste Ernährung, gefördert. Zudem werden dadurch Stickstoffverluste durch Nitratauswaschung und Denitrifikation reduziert.
Qualitätsgabe
Die dritte Düngergabe zielt auf die Steigerung des Proteingehaltes ab und somit der Steigerung der Qualität. Jedoch muss auch nach der Düngung noch ausreichend Niederschlag fallen, sodass der Dünger in den Wurzelraum gelangen kann. Nicht genutzter Stickstoff belastet die Düngebilanz und den Geldbeutel.
In Regionen, die mit regelmäßigen und gleichmäßig verteilten Niederschlägen rechnen können, kann die Stickstoffmenge nach der klassischen Gabenteilung, Bestockungsgabe, Schossergabe und Qualitätsgabe, aufgeteilt werden.
Für alle Düngestrategien bietet es sich an, rund 10 bis 20 kg/ha Stickstoff für eine Ährendüngung ab dem Ährenschieben zurückzuhalten. Durch solch eine flüssige N-Düngung auf das Fahnenblatt und die Ähre kann nochmals Einfluss auf den späteren Rohproteingehalt im Korn genommen werden.
Für die Erzeugung von Qualitätsweizen ist eine betriebsindividuelle und ganzheitliche Strategie unter Einbezug von Sortenwahl, Nährstoffversorgung, Pflanzenschutz und Fruchtfolge notwendig.
Sortenwahl
Der erfolgreiche Weizenanbau beginnt bereits bei der Definition des Anbauziels, welches sich aus der angestrebten Verwendung der zukünftigen Ernte ergibt.
Mit der Auswahl der richtigen Sorte und einer optimalen Aussaat wird der Grundstein für den späteren Erfolg gelegt. Folgende Sorten bieten beste Voraussetzungen für einen hohen Rohproteingehalt. Sie sind wieder zur Saison verfügbar:
✅ Welche Rolle spielt eine ausgewogene Nährstoffversorgung für Qualitätsweizen?
Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Phosphor, Kalium, Magnesium, Schwefel und Spurenelementen ist entscheidend, damit Winterweizen gesund wächst und hohe Proteingehalte erreicht. Vor allem auf leichten Böden und bei fehlender organischer Düngung müssen diese Nährstoffe regelmäßig ergänzt werden, um Qualitätsverluste zu vermeiden.
✅ Warum ist die Stickstoffstrategie im Frühjahr so wichtig?
Ab Vegetationsbeginn benötigt die Pflanze ausreichend verfügbaren Stickstoff und Schwefel, um Bestockung, Ertragsbildung und später den Proteingehalt zu sichern. Düngerformen wie Nitrat und Ammonium in Kombination mit Sulfatschwefel unterstützen eine schnelle Aufnahme und verhindern Versorgungsengpässe.
✅ Wozu dient die Qualitätsgabe beim Winterweizen?
Die späte Stickstoffgabe zielt darauf ab, den Rohproteingehalt im Korn anzuheben und damit die Backqualität zu verbessern. Voraussetzung ist, dass nach der Düngung genügend Regen fällt, damit der Stickstoff in den Wurzelraum gelangt und von der Pflanze genutzt werden kann.
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