Bei einem Blick in die Getreidebestände findet man in diesem Jahr recht gesunde Bestände vor. Das vermeintlich trockenere Wetter bedeutet aber nicht automatisch, dass mit keinen Infektionsbedingungen und damit keinen Blattkrankheiten zu rechnen ist. Spätestens ab Mitte April sind die Bestände und die Witterung zu beobachten, insbesondere wenn die Temperaturen ansteigen. Bestände sollten regelmäßig kontrolliert und beobachtet werden. Unterschiedliche Sorteneigenschaften begünstigen den Blattbefall.
Ausprägung der Blattkrankheiten
Seit der letzten Woche sind in einigen Beständen (sortenabhängig) erste frische Mehltaupusteln auf den Blättern zu finden.
In der Gerste ist Rhynchosporium der Pilz, der auch bei geringeren Temperaturen und Tau auftreten kann. Roste, Netzflecken und Ramularia benötigen höhere Temperaturen.
Echter Mehltau wird vor allem durch kühle bis mäßig warme Temperaturen, sowie geringe Luftbewegung begünstigt. Im Unterschied zu vielen anderen Blattkrankheiten benötigt er kein freies Wasser auf dem Blatt, sondern kann sich auch bei trockener Blattoberfläche (wenig Niederschlag) ausbreiten. Besonders dichte Bestände und eine hohe Stickstoffversorgung fördern den Befall durch echten Mehltau. Sortenunterschiede spielen hierbei eine wesentliche Rolle, sodass anfällige Sorten deutlich früher und stärker reagieren.
Abbildung link: Frischer Mehltaubefall bei LG Optimist
Erkennung von Halmbasiserkrankungen
Während auf die Infektionsgefahr von Blattkrankheiten aufgrund deren Anforderungen an die Witterung recht gut reagiert werden kann, ist eine Einschätzung der Gefährdung durch Halmbasiserkrankungen schwieriger. Neben Halmbruch spielt auch Rhizoctonia an der Halmbasis eine Rolle.
Meist treten beide Erreger auf, die Witterung im Frühjahr entscheidet darüber, welcher Erreger sich eher durchsetzen kann. Sichtbar werden die Symptome und deren Auswirkungen oft erst ab dem Ährenschieben (Verbräunungen an der Halmbasis oder weiße Ähren). Halmbasiserkrankungen können nur vorbeugend bekämpft werden, der beste Zeitraum ist im Stadium BBCH 31/32, wenn die unteren Stängelbereiche noch mit Fungiziden erreicht werden können.
Es ist hilfreich, im Frühjahr regelmäßig in den Bestand zu schauen und gezielt einzelne Halme zu öffnen, um frühzeitig Verbräunungen oder Pilzgewebe an der Halmbasis zu erkennen und rechtzeitig über den Fungizideinsatz entscheiden zu können.
Abbildung rechts: Befall mit Rhizoctonia
Die Infektion mit Halmbasiserkrankungen erfolgt bei Septembersaaten bereits im Herbst. Milde, feuchte Winter begünstigen die Etablierung von Halmbruch. Rhizoctonia kann vor allem in Frühsaaten und nach warmer Herbstwitterung ertragsmindernd auftreten. Diese Ertragsminderungen sind vor allem dadurch bedingt, dass die Wasser- und Nährstoffaufnahme durch den Befall im Halm beeinträchtigt wird. Darüber hinaus kann die Standfestigkeit leiden. Das Produkt Campione (im Campione Oria Pack) besteht aus Prothioconazol und Boscalid. Diese Wirkstoffkombination ist sehr gut geeignet zur Bekämpfung der Halmbasiserreger, mit langer Dauerwirkung auch gegen Septoria tritici und Rost.
Empfehlungen zum Fungizideinsatz in Winterweizen BBCH 31/32
Empfehlungen zum Fungizideinsatz in Wintergerste/ Winterroggen BBCH 31/32
Hinweis: In Wintergerste sind zurzeit häufig Blattflecken zu finden, die als PLS-Flecken zu beschreiben sind. Sie sind i.d.R nicht pilzlichen Ursprungs, sondern bedingt durch die hohe Sonneneinstrahlung. In anfälligen Sorten findet sich auch bereits Rhynchosporium, wie auf dem Foto links in der Sorte SU Midnight. Eine erste Fungizidmaßnahme kann zusammen mit dem Wachstumsregler in BBCH 31/32 erfolgen.
✅ Warum sind Fungizidmaßnahmen zu Schossbeginn im Getreide sinnvoll?
Obwohl die Bestände aktuell oft gesund wirken, kann sich das Infektionsgeschehen schnell ändern. Ab Mitte April steigt mit höheren Temperaturen das Risiko für Blattkrankheiten. Regelmäßige Kontrollen helfen, rechtzeitig zu reagieren und Ertragseinbußen zu vermeiden.
✅ Welche Krankheiten treten im Frühjahr besonders im Getreide auf?
In vielen Beständen zeigen sich bereits erste Mehltaupusteln. In Gerste spielt Rhynchosporium auch bei kühleren, feuchten Bedingungen eine Rolle, während Rost, Netzflecken und Ramularia eher Wärme benötigen. Sortenunterschiede beeinflussen das Befallsrisiko deutlich.
✅ Wann ist der beste Zeitpunkt zur Bekämpfung von Halmbasiserkrankungen?
Halmbasiserkrankungen lassen sich nur vorbeugend bekämpfen. Der optimale Zeitpunkt liegt im Stadium BBCH 31/32, da Fungizide dann noch die unteren Halmabschnitte erreichen. Später werden Schäden oft erst sichtbar, wenn Erträge bereits beeinträchtigt sind.
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