Praxistipps: Alles Wichtige zur Rapsblütenbehandlung!

Geschrieben von Sophie Flick

BAT Versuchswesen und Beratung Pflanzenbau

Stand: 23.04.2026

Die Rapsflächen schimmern bereits gelb und der Raps schreitet bei der Blüte zunehmend voran. Auch wenn in vielen Regionen noch ein paar Tage ins Land gehen werden, bis die Vollblüte erreicht ist, sollten Sie sich bereits jetzt Gedanken zur Rapsblütenbehandlung machen. 

Der Fokus der Blütenbehandlung liegt auf Weißstängeligkeit (Sclerotinia sclerotiorum). Sclerotinia sclerotiorum hat ein sehr großes Wirtspflanzenspektrum (inkl. vieler Unkräuter) und kann in seiner Dauerform 7-10 Jahre im Boden überleben, weswegen Flächen auf denen die Weißstängeligkeit in den vergangenen Jahren bereits aufgetreten ist, besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Enge Fruchtfolgen mit Raps und anderen Wirtspflanzen (z. B. Leguminosen, Kartoffeln, Sonnenblumen), geschützte, feuchte Anbaulagen, wie z.B. in Senken oder an Waldrändern sowie warmes, wechselhaftes Wetter bei gleichzeitig hoher Luftfeuchte vor und zur Vollblüte erhöhen das Risiko für eine Infektion. Alternaria als Erreger der Rapsschwärze spielt bei Feuchtigkeit und Regenperioden ebenfalls eine große Rolle.        

Der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von Fungiziden in der Blüte ist das Stadium der Vollblüte, wenn ca. 50-60 % der Blüten am Haupttrieb geöffnet sind und die ersten Blütenblätter abfallen. Diese gelangen in die Blattachseln und bilden dort einen idealen Nährboden für Sclerotinia sclerotiorum.      

Status Rapsblüte: 5 %

Status Rapsblüte: 45 % 

Status Rapsblüte: 75 %

Blütenblätter fallen in die Blattachsel

Empfehlungen zum Fungizideinsatz in der Rapsblüte

Die Produktauswahl richtet sich nach der Ertragsleistung des Bestandes und der Witterung. Kombinationen aus zwei Wirkstoffen haben sich bewährt. Der Wirkstoff Fludioxonil im Produkt Treso gehört zur Gruppe der Phenylpyrrole und kann in diesem Jahr letztmalig eingesetzt werden. Aus Resistenzvorsorgegründen bietet sich deshalb in diesem Jahr ein letztmaliger Einsatz dieses Wirkstoffes an, um damit einen Wirkstoffklassenwechsel vorzunehmen.

Um bei der Überfahrt möglichst wenig Schaden im Rapsbestand zu verursachen, sollte langsam gefahren werden (ca. 5 km/h) und wenn möglich erst am Abend, da die Rapspflanzen dann elastischer sind. Eine ausreichende Wassermenge von 300 l/ha sorgt für eine gute Benetzung und Verteilung.

Hochertragsstandorte, feuchte Bedingungen zur Rapsblüte

Cantus Ultra 0,8 l/ha (250 g/l Pyraclostrobin + 150 g/l Boscalid)
(NW607: 90 % = 5 m)

Propulse 1,0 l/ha (125 g/kg Fluopyram + 125 g/l Prothioconazol)
(NW609: 50 % = *)

Mittlere Ertragserwartung, eher trockene Bedingungen zur Rapsblüte

Treso 0,3 kg/ha + Zeus 0,4 l/ha (500 g/kg Fludioxonil) (250 g/l Azoxystrobin)
(NW605: 75 % = *) (NW605: 75 % = *)

Boscalid 500 WG 0,3 kg/ha + Zeus 0,5 l/ha (500 g/kg Boscalid + 250 g/l Azoxystrobin)
(NW605: 75 % = *)

Bekämpfung von Schotenschädlingen

Während der Rapsblüte kann es zum Zuflug von Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücken kommen.

Die Kohlschotenrüssler sind aufgrund zunehmender Resistenzausprägung nur noch sehr eingeschränkt bekämpfbar. Eine Wirkung der Pyrethroidklassen I und II ist nur noch in begrenztem Umfang gegeben. 

Die Bekämpfung der Kohlschotenmücken mit Pyrethroiden ist ein schwieriges Unterfangen. Die Pyrethroide besitzen zwar eine Wirkung auf die Mücke, nur ist es schwierig, das kleine Insekt aufgrund dessen Mobilität direkt zu treffen. Die Mücken fliegen häufig erst nach der Vollblüte bei warmem, windstillem Wetter in den Bestand. 

Die Gefahr eines Knospenschadens durch Rapsglanzkäfer nimmt mit zunehmender Blüte des Rapses ab. Der Käfer kann in der offenen Blüte direkt zum Pollen gelangen, ohne die Knospe zu zerstören. 

Eine Kombination aus Fungizidmaßnahme und Insektizid in der Vollblüte ist nur in den wenigsten Fällen sinnvoll. Bei größeren Rapsschlägen bleiben die Mücken meistens im Randbereich, weswegen bei behandlungswürdigem Befallsdruck eine Randbehandlung häufig ausreicht.

Mit Blick auf den Nützlingsschutz und die oben aufgeführten Hinweise sollte jede Insektizidmaßnahme in der Vollblüte sorgfältig abgewogen werden. Bei Tankmischungen aus Fungiziden und Insektiziden ist zudem eine mögliche Veränderung der Bienengefährlichkeit zu beachten. 

Empfehlung bei notwendiger Bekämpfung von Kohlschotenrüssler/-mücke

Evure / Mavrik Vita 200 ml/ha (240 g/l Tau-Fluvalinat)
(NW605: 90 % = 5 m, NT101, B4) 

Tarak / Karate Zeon 75 ml/ha (100 g/l Lambda-Cyhalothrin)
(NW605: 90 % = 5 m, NT108, B4) 

Bulldock Top 150 g/ha (150 g/kg Lambda-Cyhalothrin)
(NW605: 90 % = 5 m, NT108, B4) 

Hinweis zur Zulassung

Ein Teil der lamda-cyhalothrin-haltigen Insektizide verlieren ihre Zulassung. Zum Beispiel Bulldock Top darf bis 30.06.2026 abverkauft werden und bis 30.06.2027 aufgebraucht werden. Die genauen Infos zum Zulassungende der betroffenen Produkte über alle Anwendungsgebiete finden Sie hier in unserer Zulassungsliste. 



Das Wichtigste in Kürze

✅ Warum ist eine Behandlung der Rapsblüte gegen Weißstängeligkeit wichtig?

Die Blütenbehandlung zielt vor allem auf Weißstängeligkeit ab, da der Erreger viele Wirtspflanzen hat und jahrelang im Boden überdauern kann. Besonders Flächen mit Vorbefall und feuchten, geschützten Lagen sind stark gefährdet.

✅ Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Fungizideinsatz in der Rapsblüte?

Der beste Anwendungszeitpunkt ist die Vollblüte, wenn etwa 50–60 % der Blüten geöffnet sind. Abfallende Blütenblätter sammeln sich in den Blattachseln und begünstigen dort eine Infektion.

✅ Ist eine Kombination aus Fungizid- und Insektizidmaßnahme zur Vollblüte sinnvoll?

In den meisten Fällen ist eine Kombination nicht empfehlenswert. Schädlinge treten häufig nur am Feldrand auf, sodass Randbehandlungen ausreichen. Zudem müssen Nützlings- und Bienenschutz besonders beachtet werden.

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