Aktuelle Herbizidstrategien für den erfolgreichen Maisanbau!

Geschrieben von Sophie Flick

BAT Versuchswesen und Beratung Pflanzenbau

Stand: 06.05.2026

Die Maisaussaat ist in vielen Regionen inzwischen weit fortgeschritten und fast alle Flächen wurden unter trockenen Bodenbedingungen bestellt. Mit ansteigenden Tagesdurchschnittstemperaturen setzt vielerorts das Auflaufen der Bestände ein, auch wenn kühle Nächte regional weiterhin für eine verhaltene Jugendentwicklung sorgen können. Parallel dazu stehen noch Saattermine auf Flächen an, die zuvor mit Weidelgras genutzt werden. 

In der frühen Entwicklungsphase von Mais bleibt die Konkurrenz durch Unkräuter und Ungräser ein entscheidender Einflussfaktor. Gerade bei langsam auflaufenden Beständen können früh etablierte, temperaturtolerantere Arten dem Mais einen deutlichen Wachstums- und Konkurrenzvorsprung entgegensetzen. Wirksame Herbizidstrategien sind daher zentral für die Sicherung und Maximierung des Ertrags. Im Fachbeitrag stellen wir aktuelle Strategien mit passenden Produkten vor.

Splitting oder Einmalbehandlung

Bei normaler Verunkrautung und moderatem Hirsedruck führt eine Einmalbehandlung mit einer Kombination aus blatt- und bodenwirksamen Wirkstoffen zu einem guten Bekämpfungserfolg gegen Unkräuter und Ungräser. Aus Verträglichkeitsgründen hat sich als idealer Anwendungszeitpunkt der Zeitraum ab dem 2- bis 4-Blattstadium des Maises etabliert. Ab dem 4-Blattstadium verändert sich bei Mais zum einen die Oberflächenstruktur der Blätter und zum anderen wird durch eine größere Blattmasse mehr Wirkstoff aufgenommen, wodurch die Verträglichkeit der Herbizidmaßnahmen negativ beeinflusst wird. 

Weil i.d.R. nicht alle Unkräuter gleichzeitig auflaufen, kann es v.a. auf Standorten mit starkem Verunkrautungspotenzial sinnvoll sein, die Herbizidmaßnahme in einer Spritzfolge durchzuführen. Bleibt es nach der Maisaussaat eher kühl, laufen Unkräuter mit geringen Temperaturansprüchen, wie z.B. Klettenlabkraut, Storchschnabel, Windenknöterich und Kreuzblütler (z.B. Hederich, Ausfallraps, Rauken) zügig auf und bilden schon früh eine Konkurrenz zum Mais. Hirsearten laufen auf langjährigen Maisstandorten oft in mehreren Wellen auf. Unter diesen Bedingungen kann ein Herbizid-Splitting mit Vorlage eines Bodenherbizides sinnvoll sein (1. Maßnahme VA bis BBCH 11, 2. Maßnahme BBCH 13/14).

Klettenlabkraut

Storchschnabel

Windenknöterich

Hederich

Anwendungsbedingungen

Ideale Anwendungsbedingungen herrschen bei wüchsigem Wetter, hoher Luftfeuchte und abgetrockneten Blättern des Maises. Nach Regenereignissen sollte mit der Herbizidbehandlung zwei Tage gewartet werden, bis der Mais wieder eine Wachsschicht auf seinen Blättern gebildet hat. Zudem ist von Behandlungen unmittelbar vor Kältephasen abzusehen, da der Stoffwechsel der Maispflanzen heruntergefahren wird und durch den reduzierten Abbau der Herbizidwirkstoffe die Gefahr eines Wachstumsstopps besteht. 

Auswahl der Wirkstoffe

Grundsätzlich sollte die Auswahl der Wirkstoffe dem Unkrautspektrum entsprechend erfolgen. Bei ausreichend Bodenfeuchtigkeit ist es für eine ansprechende Wirkung sinnvoll, auf bodenwirksame Komponenten zu setzen und diese sinnvoll mit Blattwirkstoffen zu kombinieren. Auch der Gewässerschutz-Aspekt sollte, v.a. in grundwassersensiblen Gebieten, nicht außer Acht gelassen werden. 

Besonders die Wirkstoffe Terbuthylazin und Nicosulfuron werden hier kritisch bewertet. Als gewässerschonend und somit nachhaltig werden Triketone (z.B. Tembotrione im Auxo Plus) angesehen, die je nach Bedarf mit entsprechenden Partnern (Boden: z.B. Dimethenamid-P / Pendimethalin; Blatt: z.B. Dicamba / SHS in reduzierter AWM) kombiniert werden sollten. 

Herbizidstrategie mit Terbuthylazin

* Stretch: Wurde im Vorjahr auf derselben Fläche bereits Nicosulfuron (NG327) eingesetzt, kann der Wirkstoff dieses Jahr durch Rimsulfuron-Produkte ersetzt werden (z.B. Plaza).

Herbizidstrategie ohne Terbuthylazin

* Stretch: Wurde im Vorjahr auf derselben Fläche bereits Nicosulfuron (NG327) eingesetzt, kann der Wirkstoff dieses Jahr durch Rimsulfuron-Produkte ersetzt werden (z.B. Plaza).

Herbizidstrategie ohne Terbuthylazin

Hinweis zu Auflagen

Folgende Auflagen sind bei der Planung der Herbizidmaßnahmen im Mais u.a. zu beachten:

  • NG327 (z.B. Stretch): Auf derselben Fläche im folgenden Kalenderjahr keine Anwendung von Mitteln mit dem Wirkstoff Nicosulfuron.
  • NG362 (z.B. Spectrum Gold): Mit diesem und anderen Terbuthylazin-haltigen Pflanzenschutzmitteln darf innerhalb eines Dreijahreszeitraumes auf derselben Fläche nur eine Behandlung mit maximal 850 g Terbuthylazin pro Hektar durchgeführt werden. 
  • NG368 (z.B. Merlin Flexx): Zum Schutz des Grundwassers darf auf derselben Fläche im folgenden Kalenderjahr keine Anwendung von Mitteln mit dem Wirkstoff Isoxaflutol erfolgen.

Kombination mit Blattdünger

BAT Pro PhosphorAktiv 3,0 kg/ha: schnelle und günstige P-Blattdüngung, v.a. bei kühlen Bedingungen nach dem Auflaufen, Phosphor fördert die Wurzelentwicklung

BAT Pro Maisstarter 2,0 l/ha: teilchelatisierter Blattdünger mit Phosphor, Mangan, Zink und Stickstoff

BAT Pro Vital 4,0 l/ha: organisch-mineralischer Blattdünger mit Amino-, sowie Humin- und Fulvosäuren zur Reduktion von Herbizidstress und Förderung der Jugendentwicklung

Die Anwendung wird solo oder in Kombination mit dem Herbizid ab dem 4-Blattstadium empfohlen. Alle Blattdünger sind gut mit Herbiziden mischbar, im Zweifel wird dennoch ein eigener Mischversuch im kleinen Maßstab empfohlen.



Das Wichtigste in Kürze

✅ Warum sind frühe Herbizidmaßnahmen im Mais so wichtig?

In der Anfangsphase reagiert Mais sehr empfindlich auf Konkurrenz. Früh auflaufende Unkräuter können gegenüber dem Mais gerade bei kühlen Bedingungen einen deutlichen Wachstumsvorsprung erreichen, weshalb eine rechtzeitige Bekämpfung entscheidend ist.

✅ Wann ist eine Einmalbehandlung sinnvoll und wann ein Splitting ratsam?

Bei normaler Verunkrautung reicht meist eine einmalige Behandlung im 2- bis 4‑Blattstadium. Auf stark verunkrauteten Standorten oder bei mehrwelligem Auflaufen, etwa von Hirsearten, ist eine Spritzfolge mit Boden- und Blattmaßnahme oft effektiv.

✅ Welche Bedingungen verbessern die Verträglichkeit von Herbiziden im Mais?

Optimale Ergebnisse werden bei wüchsigem Wetter, hoher Luftfeuchte und trockenen Blättern erreicht. Nach Regen oder vor starken Kälteperioden sollte nicht behandelt werden, da dies Wachstumsstörungen und Stress beim Mais begünstigen kann.

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Für ggf. oben genannte Anwendungsempfehlungen gilt: Alle Rechte vorbehalten. Keine Weitergabe an Dritte! Alle Angaben wurden nach bestem Wissen erstellt. Die Umsetzung erfolgt auf eigenes Risiko. Die Gebrauchsanweisung der Produkte wird durch diese Empfehlung nicht ersetzt und muss unbedingt eingehalten werden.