In den meisten Regionen haben sich die Winterweizenbestände trotz geringer Niederschläge ordentlich entwickelt. Die teils vorhandenen Regenfälle der vergangenen Tage sorgen für eine Entspannung in Bezug auf die Wasserversorgung und Trockenstress. Mit dem Erscheinen des Fahnenblattes gilt es sich nun auch erste Gedanken im Hinblick auf die Qualitätsdüngung zu machen. Sofern noch nicht die komplette N-Bedarfsmenge gefallen ist, kann mit der dritten Düngergabe nochmal Einfluss auf den späteren Rohproteingehalt genommen werden.
Ausrichtung der Ährendüngung
Durch diese dritte Stickstoffgabe wird die Anlage von Speicherzellen im Korn positiv beeinflusst. Diese Düngemaßnahme dient dazu, die Fertilität des Weizens zu fördern und die Kornmasse sowie den Rohproteingehalt zu steigern. Die Höhe der Spätgabe ist abhängig von der Ertragserwartung und dementsprechend dem Ertragspotential des Bestandes. Unsere Empfehlung lautet 60-80 kg N/ha. Der in der Düngebedarfsermittlung ermittelte N-Bedarfswert darf jedoch nicht überschritten werden.
Sind ausreichend Niederschläge in Aussicht, kann eine klassische Qualitätsgabe z.B. über KAS, Sulfan oder Harnstoff stattfinden. Sind keine nennenswerten Niederschläge zu erwarten, kann die Qualitätsgabe mittels flüssiger N-Dünger wie AHL umgesetzt werden. Grundsätzlich gilt es bei regelmäßiger Frühsommertrockenheit die Überlegung anzustellen, ob man nicht die zweite und dritte N-Gabe zusammenfasst und gegebenenfalls über eine flüssige Düngung später noch etwas nachdüngt.
Eine frühe Spätgabe zwischen BBCH 39/49 fördert hauptsächlich die Kornfüllung. Wird die Düngung Richtung BBCH 51/61 geschoben, hat dies vor allem positive Auswirkungen auf den Proteingehalt.
Bei der Düngerwahl darf auch die Schwefelversorgung nicht außer Acht gelassen werden. Schwefel unterstützt die Proteinbildung und fördert die N-Effizienz, daher empfiehlt es sich mit der Spätgabe 10-15 kg S/ha zu düngen.
Sofern nach der Blüte noch eine flüssige Ährendüngung angedacht ist, müssen bei der Qualitätsgabe rund 10 kg/ha Stickstoff eingespart werden. Die Stickstoffmenge zur Erhöhung des Proteingehalts beträgt je nach Maßnahme zwischen 8 und 12 kg/ha. Die Weizenpflanze ist in der Lage ca. 10 kg N/ha über die Ähre und das Fahnenblatt aufzunehmen. Eine Applikation 10-14 Tage nach der Blüte hat sich hierbei bewährt.
Ährendüngung mit KAS
KAS (Kalkammonsalpeter) eignet sich gut für die Qualitätsgabe im Weizen, weil er sowohl schnell verfügbaren Nitratstickstoff als auch etwas langsamer wirkenden Ammoniumstickstoff bereitstellt. Dadurch wird der Weizen gleichmäßig mit Stickstoff versorgt, was die Bildung von Rohprotein im Korn fördert. Zudem enthält KAS Calcium, das langfristig den Boden stabilisiert und die Nährstoffaufnahme verbessert.
Die Ährendüngung für Winterweizen orientiert sich an den standortspezifischen Bedingungen, der erwarteten Ertragsleistung und der verwendeten Sorte. Wenn Sie beispielsweise 220 kg/ha an KAS-Dünger streuen, haben Sie ca. 60 kg N/ha erreicht (50% davon Nitrat und 50% Ammonium).
Stickstoff plus Schwefel
Bei der Düngerwahl darf auch die Schwefelversorgung nicht außer Acht gelassen werden. Schwefel unterstützt die Proteinbildung, daher empfiehlt es sich mit der Spätgabe 10 bis 15 kg S/ha zu düngen.
Unser Dünger NS 24N+6S ist eine Kombination aus Stickstoff- und Schwefeldünger. Der Dünger enthält 24% Gesamtstickstoff, von dem die Hälfte in Nitrat- (schnelle Wirkung) und die andere Hälfte in Ammoniumform (verzögerte Wirkung) vorliegt. Zudem enthält er 6% Schwefel. NS 24N+6S bietet eine gute Ergänzung zu dem aus der Gülle langsam wirkenden Stickstoff.
Wenn Sie bei der Ährendüngung 250 kg/ha des NS 24N+6S erzielen Sie eine Gesamtstickstoffdüngung von 60 kg (50% davon Nitrat und 50% Ammonium) und zusätzlich eine Schwefeldüngung von 15 kg S/ha
Harnstoff zur Ährendüngung
Harnstoff eignet sich gut für die Ährendüngung, da er einen sehr hohen Stickstoffgehalt von etwa 46 % besitzt und nach der Umwandlung im Boden schnell pflanzenverfügbar wird. Besonders im späten Stadium kann er den Proteingehalt im Getreide gezielt erhöhen und so die Qualität verbessern. Üblicherweise werden bei der Ährengabe im Winterweizen etwa 30–60 kg Stickstoff pro Hektar gegeben, was 65 bis 130 kg Harnstoff entspricht. Wichtig ist die Ausbringung bei feuchten Bedingungen oder vor Regen, um Stickstoffverluste zu vermeiden.
Ergänzung mit Blattdünger
Falls Sie eine Flüssigdüngung für die Ährengabe planen, lässt sich diese mit einer Blattdüngung kombinieren. Für diesen Fall empfehlen wir:
30-40 l/ha AHL + 2,0 l/ha BAT Pro Vital
Stickstoff aus AHL wird von der Pflanze schnell über die Blätter aufgenommen und verstoffwechselt. Die in BAT Pro Vital enthaltenen Aminosäuren und Mikronährstoffe reduzieren gleichzeitig den abiotischen Stress der Pflanzen und liefern wichtige Bausteine für die Proteinsynthese. Die in den Aminosäuren enthaltenen Nährstoffe Stickstoff und Schwefel sorgen zudem für eine zügige Nährstoffversorgung über das Blatt. Um mögliche Ätzschäden zu vermeiden, sollte diese Mischung mit mindestens 150 l/ha Wasser ausgebracht werden. Die Applikation kann mit normalen Pflanzenschutzdüsen erfolgen.