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Praxistipps für die Herbizid-Strategie 2022 im Kartoffelanbau

Vielerorts ist trotz des erneuten Wintereinbruchs bereits ein erheblicher Teil der Kartoffeln gepflanzt worden. Wenn die Temperaturen wieder ansteigen, werden diese Knollen in den nächsten Wochen auflaufen. Jetzt gilt es, für saubere Kartoffelbestände als Fundament für hohe Erträge und gute Qualität zu sorgen. Welche Herbizide sind dabei in diesem Jahr für die Unkrautbekämpfung zu empfehlen? Und wann ist der richtige Zeitpunkt, um Unkräutern optimal entgegenzuwirken, ohne die Entwicklung der Kartoffelpflanze zu gefährden? myAGRAR gibt einen Überblick.

Beim Einsatz von Kartoffelherbiziden spielen sowohl der Entwicklungsstand der Pflanzen als auch die Temperaturen und Wuchsbedingungen eine große Rolle. Eine wirkungsvolle Unkrautbekämpfung vor dem Auflaufen beziehungsweise in der Jugendentwicklung der Kartoffel zählt zu den wichtigsten Maßnahmen für eine ertragsstarke Ernte. Verläuft die Jugendentwicklung zu verhalten, dann schließen die Reihen nicht rechtzeitig und die Unkräuter werden damit zu spät unterdrückt. Außerdem wächst bei unkontrolliertem Unkrautwachstum das Risiko einer Spätverunkrautung in Form einer zweiten Unkrautwelle. Sobald das Kartoffelkraut zur Ernte in sich zusammenfällt, können Unkrautsamen durch Lichteinfall erneut in Keimstimmung kommen. Ernteerschwernisse bestimmen die Rodung. Umso entscheidender ist die optimale Unkrautbekämpfung im Frühjahr.

Zu den wichtigsten Unkräutern im Kartoffelbau zählen Gänsefuß und Melde, Schwarzer Nachtschatten, Klettenlabkraut, Bingelkraut, Franzosenkraut und Knötericharten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Achten Sie auf den Boden und das Wetter: Ideal für die Herbizidanwendung ist ein durchfeuchteter Damm. Wenn sich der Damm durch ausreichende Niederschläge gut abgesetzt hat und Unkräuter größtenteils aufgelaufen sind, können Blattherbizide sowie Blatt- und Bodenherbizidmischungen ihre Wirkung am besten ausspielen. Kartoffeldämme, die keinen oder nur wenig Niederschlag erhalten haben, sind meist locker und instabil. Für die Herbizidanwendung sind Temperaturen von 15° bis 25 ° Celsius optimal. Bei kälteren oder wärmeren Bedingungen kann die Wirksamkeit eingeschränkt sein. Leichte Niederschläge innerhalb weniger Tage nach der Behandlung fördern außerdem die Bildung eines stabilen Herbizidfilms.

Wind und Trockenheit erschweren den Herbizideinsatz

Die chemische Unkrautbekämpfung findet vorrangig im Vorauflauf bis kurz vor dem Durchstoßen der Kartoffeln statt. Insbesondere Winde und trockenes Wetter erschweren jedoch den Herbizideinsatz im Vorauflauf. In den letzten Jahren beeinträchtigten vor allem Trockenphasen nach dem Pflanzen der Kartoffeln und windige Böen kurz vor dem Durchstoßen die Unkrautbekämpfung enorm. Verpasste Vorauflauftermine bedeuten wiederum häufig unzureichende Bekämpfungserfolge. Nachauflaufanwendungen sollten aufgrund der eingeschränkten Wirksamkeit und eines erhöhten Schädigungsrisikos für die Kultur eher als Ausweg betrachtet werden. Sie können und sollten aber zum Einsatz kommen, wenn die Vorauflaufanwendung nicht möglich war beziehungsweise nicht den erwarteten Bekämpfungserfolg erzielt hat oder wenn einer Spätverunkrautung entgegengewirkt werden soll.

Auch geringe Niederschläge sind schon wertvoll

Beobachten Sie die Wetterlage genau. Regen kann auch nach der Anwendung äußerst wertvoll sein. Behandeln Sie möglicherweise auch einige Stunden vor dem angekündigten Niederschlag. Achtung: Die Blattaktivität der Wirkstoffe kann durch Staub leiden. Die Erfahrung zeigt: In der Regel hat sich ein frühzeitiger Anwendungstermin ausgezahlt. Eine frühere, schärfere Behandlung, wenn die Kartoffelkeime noch acht bis zwölf Zentimeter unter der Dammoberfläche liegen, erwies sich meist als bessere Entscheidung als spätere Maßnahmen, die möglicherweise unter ungünstigeren Bedingungen stattfinden mussten.

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Produkteigenschaften Sencor Liquid:

Sencor Liquid ist ein Herbizid gegen Unkräuter und Ungräser (Vor- oder Nachauflaufanwendung). Es ist ein Blatt- und Bodenherbizid, das aufgelaufene sowie noch nicht aufgelaufene Samenunkräuter und -ungräser zuverlässig bekämpft. Die Wirkung über den Boden ist bereits bei normaler Bodenfeuchte gegeben und wird durch geringe Niederschläge zusätzlich aktiviert. Das Herbizid enthält den Wirkstoff Metribuzin. Die Empfindlichkeit mancher Kartoffelsorten gegenüber Metribuzin muss beachtet werden. Sencor Liquid ist in der 1 Liter Flasche und im 5 Liter Kanister erhältlich.

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Produkteigenschaften Boxer:

Boxer ist ein Herbizid gegen Unkräuter, insbesondere Kletten-Labkraut und einer Vielzahl an Ungräsern. Der Wirkstoff Prosulfocarb wirkt sowohl gegen keimende als auch bereits auflaufende Unkräuter und Ungräser im Keimblattstadium. Das Herbizid Boxer ist im 5L und im 20L Gebinde erhältlich

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Proman ist ein Herbizid gegen einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, einjähriges Rispengras und Hühnerhirse in Kartoffeln. Der Wirkstoff Metobromuron bleibt über einige Wochen in der oberen Bodenschicht wirksam, somit werden auch später keimende Unkräuter erfasst. Metobromuron wird über die Wurzeln der Unkräuter aufgenommen und hemmt die Photosynthese. Eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit und feinkrümelige Struktur des Bodens fördern die Wirkung

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07.04.2022

Änderungen vorbehalten

Das Wichtigste in Kürze: 

✅Warum ist der Herbizideinsatz in Kartoffeln meist notwendig?

Entscheidend für gute Kartoffelerträge ist eine gute Jugendentwicklung mit einer möglichst geringen Unkrautkonkurrenz. So lange die Reihen noch nicht geschlossen sind, müssen Unkräuter mechanisch mit einer Kombination aus Hacken und Anhäufeln und chemisch mit Herbiziden im Vor- oder Nachauflauf bekämpft werden.

✅Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Herbizidbehandlung in Kartoffeln?

Der ideale Zeitpunkt für den Einsatz von Herbiziden ist, wenn die Unkräuter größtenteils aufgelaufen sind, sich der Damm durch ausreichend Niederschläge gut abgesetzt hat und wüchsige Temperaturen von 15 ° bis 25 ° Celsius erreicht werden.

✅Wann ist der Einsatz von Nachauflauf-Herbiziden in Kartoffeln sinnvoll?

Nachauflaufherbizide sollten in Kartoffeln nur dann eingesetzt werden, wenn die Vorauflaufanwendung nicht den erwarteten Bekämpfungserfolg erzielt hat oder wenn einer Spätverunkrautung entgegengewirkt werden soll, weil die Vorauflaufanwendung in der Regel besser wirkt.