Praxistipps: Haltung und Fütterung von Wassergeflügel!

Verbraucher wissen qualitativ hochwertige und heimische Gänse und Enten besonders zu Martini und Weihnachten wieder zu schätzen. Der pro Kopfverbrauch liegt für Gänsefleisch in Deutschland allerdings nur bei ca. 300-400g/Jahr. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei gerade mal 18 %, somit sind Steigerungen möglich.

Gänse und/oder Enten im landwirtschaftlichen Nebenerwerb aufzuziehen und zu mästen kann als Weide- oder Intensivmast erfolgen.

Tipps zur Gänsemast 

Es gibt drei Grundtypen in der Gänsemast: die Kurz-, die Mittel-, und die Spätmast. Die Mittelmast bzw. Fleischmast ist die in Deutschland am häufigsten anzutreffende Mastform und dauert etwa 16 Wochen. Bei der Spät- oder Weidemast kommen die Gänse nach der dritten Federreife ab etwa 23 Wochen bis maximal 32 Wochen zur Schlachtung. Gänse können aufgrund ihrer großen Blinddärme auch rohfaserreiches Grundfutter verwerten. Sie sind damit besonders gut für die Weidemast geeignet.

Bei optimaler Gestaltung kann die Spätmast in der bäuerlichen Haltung mit Direktvermarktung wirtschaftlich positive Ergebnisse erbringen. Wenn entsprechende Nachfrage vorhanden ist, sind hohe Verkaufserlöse zu erwarten.

Die Spätgänsemast mit intensiver Nutzung des Grünlandes erlebt in vielen Teilen Deutschlands wieder eine Zunahme. Gründe sind folgende:

  • Freiwerdende Grünlandflächen
  • Die besondere Anatomie des Verdauungsapparates der Gans
  • Ein geringer Selbstversorgungsgrad (ca. 18 %) mit Gänsefleisch in Deutschland,
  • Der saisonale Charakter der Gänsefleischerzeugung (Weihnachtsbraten)

Beim Management der Spätgänsemast, die sich über 28-32 Wochen erstreckt, gilt es insbesondere zu beachten, dass die Tiere exakt zu Martini/Weihnachten schlachtreif sein müssen. Zu diesem Zeitpunkt dürfen sie aber noch nicht geschlechtsreif sein, da sonst ihr Schlachtkörperwert schon wieder abnimmt. Bei einer Mastdauer von 28-32 Wochen sollten die Gössel für die Mast von Weihnachtsgänsen frühestens aus dem Schlupf der 19. Kalenderwoche stammen und spätestens aus der 23. Kalenderwoche, wenn die Schlachtkörper in der Kalenderwoche 51 und 52 vermarktet werden sollen.

Für Martinigänse beginnt die Aufzucht bereits Mitte April.

Die jungen Gössel werden zunächst für 3-4 Wochen im Stall aufgezogen und dann an die Weide gewöhnt. In dieser Phase füttern Sie das BAT Starterfutter. Zur Umstellung füttern Sie ab der 5. Lebenswoche das BAT Mastfutter gemischt mit dem Starterfutter, um die Umstellung zu erleichtern.

Aufzucht und Mast von Gänsen können sehr gut in Altgebäuden erfolgen. In den ersten drei Lebenswochen ist ein Aufzuchtabteil erforderlich. Dieses sollte gut eingestreut und mit einer Wärmequelle ausgestattet werden. Die Temperaturansprüche von Gänsen können Sie Tabelle 1 entnehmen. Für die Haltung von Gänsen werden 0,5 bis 1 m² Stallbodenfläche je Tier benötigt. Darüber hinaus pro Tier 200-250 m² Weidefläche.

Alter Temperatur unter Wärmequelle Stallraum Beleuchtung
1. Woche 32-25 °C 26-22 °C 24 h/20 lux
2. Woche 25-22 °C 22-20 °C 16 h/10 lux
3. Woche - 20-18 °C 14 h/10 lux
Belüftung: 0,2 m/Sek.; Ziel: NH3 < 20 ppm      

 

Fütterung von Spätmastgänsen

In der Aufzuchtperiode bis zur 4. Lebenswoche wird ein Starterfutter gefüttert mit einer Pelletgröße von 2,2 mm. Danach bieten sie zum Auslauf auf dem Grünland ein Alleinfutter für Wassergeflügel an. In den ersten 3 Lebenswochen werden als Richtwert etwa 3 kg Starterfutter pro Gössel benötigt, 4 bis 4,5 kg für die Lebenswochen 4 bis 6. Auf die Wirtschaftlichkeit wirkt es sich positiv aus, wenn die Gössel schon früh (stundenweise schon ab 2. Woche) die Weide nutzen und dort Grünfutter aufnehmen. Auf dem Grünland sollte der 1. Schnitt nicht für die Gänse genutzt werden. Zur Endmast ca. 4-6 Wochen vor der Schlachtung bieten Sie bis zu 400-500 g Futter je Tier und Tag an.  Auf der Weide kann der Eiweißbedarf gedeckt werden, aber nur ca. die Hälfte des Energiebedarfs wird gedeckt. Das heißt, dass auch bei einer sehr guten Weide ein Kraftfutter nötig ist. Die Weidehaltung erfüllt folgende Funktionen: Tiere gut ernähren, Grünlandflächen nutzen und pflegen, werbewirksam für die Kunden in der Direktvermarktung sein. Bei An- und Nachsaaten sollte Beachtung finden, dass die Weide nährstoffreich und schmackhaft für die Gänse sein sollte. Bei Gänsen beliebt sind Deutsches Weidelgras, Rotes Straußgras, Rotschwingel, Weiß- und Schwedenklee.

Tipps zur Entenmast

Der Verzehr von Entenfleisch in Deutschland lieg bei etwa 1 kg/Kopf und Jahr. Durch das stark angestiegene Angebot von Halbfertig- und Fertigprodukten mit Entenfleisch ist mittlerweile eine ganzjährige Nachfrage zu beobachten. In Deutschland leben etwa 2,2 Mio. Enten in der Intensivhaltung (Stand: 2016).

Hauptsächlich werden für die professionelle Entenmast Pekingenten verwendet. Vor 10 Jahren wurden etwa 49 Tage benötigt Komma um das gewünschte Marktgewicht von 3,0 – 3,2 kg zu erzielen. Heute werden hierzu nur noch 36 – 38 Tage (Wintermonate) bzw. 40 – 42 Tage (Sommer­monate) Tage benötigt. Bei einer Schlachtausbeute von 68 – 70 % (inklusive Hals und verzehrbarer Innereien) wird ein Brustfleischanteil von etwa 21 % (mit Haut) erreicht. Nachdem die Gewichtsunterschiede zwischen Enten und Erpeln nicht groß sind, werden beide Geschlechter gemeinsam gemästet.

In der Regel erfolgt die Mast in Deutschland in geschlossenen Stallanlagen mit Fenstern oder in Offenställen. Im Gegensatz zu anderen Mastgeflügelarten ist eine aufwändige Dämmung der Gebäude nicht unbedingt erforderlich, da Enten eine robuste Konstitution aufweisen. Lediglich bis zum 16. Lebenstag haben sie einen hohen Wärmebedarf und werden in gut gedämmten Ställen gehalten.

Aus tierschutzgründen sollten die Tiere auf eingestreuten Flächen gehalten werden. Lediglich maximal 25 % können mit Rostanteil unter den Tränken ausgestattet werden, da die Enten gerne mit dem Tränkewasser spielen.

Empfehlenswert ist die Aufzucht in zwei räumlich getrennten Stalleinheiten. In der Aufzuchtphase bis zum ca. 14-16. Lebenstag sollten maximal 15 Tiere/m² gehalten werden. Ab dem 21. Lebenstag 5 Tiere /m“ (freiwillige Vereinbarung Niedersachsen, 2015).

Werden Enten auf dem Grünland gehalten, versorgen sich diese teilweise selbst mit Futter. Unter anderem auch mit Schnecken, Würmern und Käfern, die sie zum Schlucken in Wasser eintauchen. Auf eine Kraftfuttergabe kann in der bäuerlichen Entenmast nicht verzichtet werden. Denn im Gegensatz zu Gänsen haben Enten nur kleine Blinddärme und können bei Weidehaltung nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden.

Fütterung von Enten

Die Mastdauer von üblicherweise 42 Tagen wird in der Regel in zwei Altersabschnitte gegliedert. Damit kann das Futter an, die sich verändernden Anforderungen der Pekingenten an die Nähstoffzusammensetzung während der Mast angepasst werden. Zu Anfang in den ersten 14 Tagen, sollten die Pellets nicht größer als 2,5 mm im Durchmesser sein. Danach können Pellets mit einer Größe von 3-4 mm verabreicht werden. Pekingmastenten haben eine genetische Veranlagung zu schnellem Wachstum. Dies erfordert ausreichend hohe Energie-, Eiweiß- bzw. Aminosäuren-, Mineral- und Vitamingehalte in den Futtermischungen, um Ernährungsfehler und damit einhergehende Mangelerscheinungen bei den Tieren zu vorzubeugen. Das Futter wird in der Regel zur freien Verfügung angeboten. Von jedem Aufenthaltsort der Mastenten im Stall soll im Umkreis von 8–9 m eine Futterlinie zu erreichen sein. In den ersten Lebenstagen werden zusätzlich Futtertabletts eingesetzt. Je nach Fütterungstechnik sollte sich der obere Futterschüsselrand auf Brusthöhe der Tiere befinden.

Futterverbrauch

Da der Futterverbrauch von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, sind die nachfolgenden Werte nur als Richtwerte anzusehen.

Lebensabschnitt Futtersorte kg/Tier
01.–16. Tag Starter ca. 1,1 
16.–42. Tag Mast ca. 5,2 

 

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Stand: 15.02.2024

Inhaltsquellen:

  • DLG-Merkblatt 436, Entenmast Haltung-Fütterung-Kosten, 2018
  • DLG kompakt Nr. 9/2021, Haltung von Spezialgeflügel: Weidemastgänse
  • KTBL: Fachartikel, Haltung von Mastgänsen, Dr. Manfred Golze