Dauergrünland: Maßnahmen gegen Schadpflanzen!

Geschrieben von der BAT Beratung Pflanzenbau

myAGRAR ist Teil der BAT Gruppe

Stand: 30.06.2026

Für hohe Erträge im Dauergrünland ist eine gezielte und sorgfältige Pflege unerlässlich. Grundlage dafür sind regelmäßige Nachsaaten, sowohl mechanische als auch chemische Pflegemaßnahmen und eine an den Ertrag angepasste Düngung. Angestrebt wird ein geschlossener Bestand mit einer dichten, belastbaren Narbe. In der Bestandszusammensetzung sollten etwa 70–80 % Gräser sowie jeweils 10–15 % Leguminosen und Kräuter enthalten sein. Voraussetzung für einen leistungsstarken Grünlandbestand ist zunächst die Analyse der aktuellen Ausgangssituation. Zur Orientierung können hierbei Zeigerpflanzen herangezogen werden:

  • Schafschwingel und Zittergras deuten auf einen Nährstoffmangel hin
  • Wiesensalbei und Gelbklee sind Indikatoren für eine basische Bodenreaktion
  • Sauerampfer und Heidekraut kommen eher im sauren Bodenmilieu vor
  • Aufrechte Trespe und Wiesensalbei sind eher in Trockengebieten zu finden
  • Binsen- und Seggen-Arten deuten auf Staunässe hin
  • Breitwegerich und Jährige Rispe zeigen Bodenverdichtungen auf

Eine Verbesserung der Narbe kann durch diverse Pflegemaßnahmen erreicht werden. Mit dem Striegel können ungeliebte kriechende Arten (Jährige Rispe, Kriechender Hahnenfuß etc.) ausgekämmt werden, die Narbe wird belüftet und die Bestockung wird angeregt. Dabei sollte auch gleichzeitig eine Nachsaat erfolgen, damit die entstandenen Lücken durch wertvolle Futtergräser wieder geschlossen werden. Gleiches gilt auch nach dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, gerade im Herbst, um den erwünschten Arten einen Wachstumsvorsprung zu verschaffen.

Pflanzenschutz: Was ist im Dauergrünland erlaubt?

Der Pflanzenschutz im Dauergrünland ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt, unterliegt jedoch deutlich strengeren Einschränkungen als auf Ackerflächen. Ausgangspunkt ist das Pflanzenschutzgesetz, wonach Pflanzenschutzmittel nur dann angewendet werden dürfen, wenn sie zugelassen sind und exakt entsprechend der festgelegten Anwendungsgebiete und ‑bestimmungen eingesetzt werden.

In Deutschland sind flächige Pflanzenschutzmaßnahmen im Dauergrünland grundsätzlich nur sehr eingeschränkt erlaubt. Der Einsatz von Herbiziden ist insbesondere aus Gründen des Gewässer- und Bodenschutzes sowie zur Erhaltung der Artenvielfalt streng geregelt. Eine Einzelpflanzenbehandlung ist daher üblicher, da sie gezielt wirkt.

Besonders bei der Bekämpfung von Problemunkräutern wie Ampferarten hat sich z.B. die Rumex Pflanzenschutzspritze bewährt. Diese Spezialtechnik ermöglicht eine präzise punktuelle Behandlung einzelner Pflanzen direkt im Bestand per Pflanzenschutzspritze.

Pflanzenschutzmittel gegen Schadpflanzen im Dauergrünland

Schadpflanze 

kritischer Wert (Grünmasse-Anteil in %) 

mechanische Bekämpfung Herbizidauswahl  optimaler Behandlungszeitpunkt / Hinweise

Ampfer (Arten)

 

5% 
(0,3-0,5 Pflanzen/m²)

 

zeitiges Ausmähen, Nachsaat, Aussamen verhindern (Nachmahd), Kurzrasenweide kann den Besatz reduzieren

 

Mais Banvel Flüssig

Simplex

Ranger

Harmony SX

Kinvara

Lodin

Hurler

Rosettenstadium, evtl.  Nachbehandlung einplanen; Harmony SX vorzugsweise im Spätsommer einsetzen: Weidelgras reagiert im Frühjahr mit kurzfristigem Wachstumsstopp; nicht in Neuansaaten anwenden

Bärenklau

 

20% (Heunutzung) 

30% (Grünnutzung/Silage)

(0,5-5 Pflanzen/m²)

intensive Beweidung, früh und oft schneiden, Nachsaat

 

Ranger

im Rosettenstadium (Mai bis August), möglichst nach der Schnittnutzung

Brennnessel

 

5% (0,5-5 Pflanzen/m²)

 

früh und oft schneiden, Nachmahd, Nach

 

Ranger

Harmony SX

bei 20-30 cm Wuchshöhe nach mehrmaligem Schnitt, wüchsiges Wetter, keine Knospen sichtbar

Hahnenfuß (Arten)

 

5% (5-10 Pflanzen/m²)

 

Frühschnitt, Nachmahd auf Weiden, Wasserregulierung (Staunässe beheben)

 

U 46 M-Fluid oder MCPA Klassik

Kinvara

bei 10-15 cm Wuchshöhe, vor dem 1. Schnitt od. im Spätsommer nach mehrmaliger Mahd im Knospenstadium

Kratzdistel

 

4-10%

früh schneiden, Nachmahd auf Weiden, Förderung einer dichten Narbe

 

 

U 46 M-Fluid oder MCPA Klassik

Kinvara

Simplex

bei 20-30 cm Wuchshöhe nach mehrmaligem Schnitt, Blütenknospenstadium

Löwenzahn

 

20% (Heunutzung)

30% (Grünnutzung/Silagenutzung)(5-15 Pflanzen/m²)

 

früh schneiden, intensive Frühjahrsbeweidung, Nachsaat

 

U 46 M-Fluid

Ranger

Kinvara

Hurler

vollständige Blattentwicklung, bei Erscheinen der Blütenknospen; Kalkstickstoff im Frühjahr auf gut entwickelten, taunassen Löwenzahn

 

Schafgarbe

 

10-20% (10 Pflanzen/m²)

 

rüh schneiden, beweiden,N-Düngung anheben, Nachsaat

Harmony SX

bei 10-15 cm Wuchshöhe

Wiesen-Kerbel

 

20% (Heunutzung)

30% (Grünnutzung/Silagenutzung)(0,5-5 Pflanzen/m²)

 

intensive, frühe Beweidung, organische N-Düngung einschränken, Samenreife verhindern

 -  -

Spitzwegerich

 

20% (Heunutzung)

30% (Grünnutzung)

 

Frühschnitt


U 46 M-Fluid oder MCPA Klassik

Kinvara

März bis Oktober

Vogelmiere

 

5% (1-7 Pflanzen/m²)

striegeln, scharfes Eggen, Nachsaat

 

Ranger

Kinvara

Hurler

Mais Banvel Flüssig


nach Schnitt im Herbst bei 3-5 cm Höhe (beginnende Polsterbildung)

 

Produkte zur Bekämpfung

Hier finden Sie die oben empfohlenen Produkte mit ihrem Preis:


Das Wichtigste in Kürze

✅ Wie erkennt man Probleme im Grünlandbestand frühzeitig?

Hinweise liefern sogenannte Zeigerpflanzen. Bestimmte Arten zeigen zum Beispiel Nährstoffmangel, saure oder basische Böden, Verdichtungen oder Staunässe an und helfen so bei der richtigen Einschätzung der Fläche.

✅ Was ist beim Einsatz von Pflanzenschutz im Dauergrünland zu beachten?

Pflanzenschutz ist erlaubt, aber stark eingeschränkt. Mittel dürfen nur zugelassen und gezielt eingesetzt werden, häufig als Einzelpflanzenbehandlung, um Umwelt, Boden und Artenvielfalt zu schützen.

Weiterer Fachbeitrag

Gras richtig silieren: Die Basis für hohe Milchleistung!

Unsere Milchkühe von heute sind Hochleistungssportler und ihr Stoffwechsel hat entsprechend hohe Ansprüche an die Futterqualität. Für eine bedarfsgerechte, gesunde und kostengünstige Fütterung bildet Grassilage nach wie vor ...

Für ggf. oben genannte Anwendungsempfehlungen gilt: Alle Rechte vorbehalten. Keine Weitergabe an Dritte! Alle Angaben wurden nach bestem Wissen erstellt. Die Umsetzung erfolgt auf eigenes Risiko. Die Gebrauchsanweisung der Produkte wird durch diese Empfehlung nicht ersetzt und muss unbedingt eingehalten werden.