Mais-Sortentrends 2023 – wie knapp ist Maissaatgut wirklich?

Nach einer vielerorts enttäuschenden Maisernte 2022 gilt es, jetzt mit einer angepassten Sortenwahl den Grundstein für eine bessere Maissaison 2023 zu legen. Der Frühbezug für Maissaatgut im myAGRAR Onlineshop läuft. In den landwirtschaftlichen Fachzeitschriften und von manchen Saatgut-Händlern wird vor einer Saatgut-Knappheit bei Mais gewarnt. Wie knapp das Saatgut tatsächlich sein wird, kann aber derzeit auch noch niemand sagen.

Beliebte Maissorten werden knapp werden

Sicher ist, dass beliebte oder besonders interessante Sorten wie schon in der letzten Saison bei vielen Lieferanten durchaus schnell ausverkauft sein werden. Hierfür gibt es triftige Gründe, unter anderem die schlechte Körnermaisernte in Frankreich, wo der Großteil des Maissaatguts vermehrt wird. Deshalb sollten sich Landwirte, die nicht irgendeine Maissorte kaufen wollen, auf jeden Fall schon jetzt mit der Sortenwahl beschäftigen. Diese fünf Sorten liegen im Trend und sind neu im myAGRAR-Sortiment:

Tipp 1: Setzen Sie auf Stabilität statt auf maximalen Ertrag

Worauf sollten Sie jetzt bei der Sortenwahl achten – eher auf aktuelle Sortentrends auf Sorten, die sich in den Landessortenversuchen oder im eigenen Betrieb langjährig stabil gezeigt haben? Unser Tipp: Setzen Sie mehr auf Stabilität als auf Spitzenerträge. Wählen Sie Sorten, mit denen Sie auf Ihrem eigenen Betrieb oder mit denen Kollegen in der Region in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht haben. Nutzen Sie hierfür zusätzlich die Ergebnisse der Landessortenversuche. Den aktuellen Stand der Veröffentlichungen der LSV-Ergebnisse haben wir hier für Sie hier zusammengestellt:

Tipp 2: Auch 2023 auf Risikomix verschiedener Maissorten setzen

Reduzieren Sie das Risiko: Setzen Sie auf einen Mix aus Maissorten, die im mehrjährigen Anbau solide Ergebnisse auf einem guten Ertragsniveau bewiesen haben, zusammengestellt werden. Faktoren wie Standfestigkeit und Gesundheit sowie eine gewisse Stressstabilität gegenüber problematischen Witterungsphasen werden nach den Erfahrungen der letzten fünf Anbaujahre immer wichtiger. Berücksichtigen Sie auch die unterschiedlichen Standorte Ihres Betriebes wie beispielsweise Trockenlagen oder feuchtere Standorte bei der Sortenwahl. Prüfen Sie mögliche Risikofaktoren. Für 2023 ist entscheidend, dass die Silos auch bei knappen Erträgen hinreichend sicher gefüllt werden können, um genügend Futter für die Tiere im Stall oder für die Biogasanlage zu haben.

Spätere oder frühere Maissorten bevorzugen?

Wir haben alle die dramatischen Unterschiede im Witterungsverlauf 2018 bis 2020, 2021 und 2022 gesehen. Deshalb unser klarer Ratschlag: Hüten Sie sich vor Witterungsoptimismus. Die Reifegruppe bleibt das wichtigste Kriterium für Maissorten. Später reifende Sorten haben im Mittel über alle Jahre und Standorte zwar ein höheres Ertragspotenzial. Sie benötigen für eine sichere Abreife aber auch höhere Temperatursummen. Setzt man also verstärkt auf späte Sorten, dann kann die verzögerte Abreife bei ungünstiger Witterung zu Ertrags- und Qualitätseinbußen führen. Mit einem zu hohen Anteil früher Sorten verzichten Sie dagegen zwar auf Ertragspotenzial. Die frühen Sorten kommen aber oft besser mit der Frühjahrstrockenheit klar, gerade wenn sie auch früh gelegt worden sind.

Wichtiger Trend: Was spricht für einen Mais-Mischanbau?

Der Mais-Mischanbau ist inzwischen mehr als nur ein neuer Trend. Die Maispflanzen werden dabei mit einer oder mehreren anderen Früchten zusammen auf der gleichen Fläche angebaut. Der Pflanzen-Mix berücksichtigt dabei die unterschiedlichen Ansprüche der jeweiligen Pflanze an Nährstoffe und Sonnenlicht. Die entscheidenden Vorteile des Mais-Mischanbaus sind eine höhere Biodiversität auf dem Acker mit einer gleichzeitig insektenfreundlicheren Fruchtfolge. Ein „blühender Partner“ hilft dabei auch hinsichtlich der gesellschaftlichen Akzeptanz des Maisanbaus.

Tipps für den Mais-Mischanbau

Zwei weitere wichtige Aspekte sprechen für den Mais-Mischanbau: Mit Leguminosen als Mischungspartner können Milchviehbetriebe auf den eigenen Flächen heimisches Eiweiß für die Fütterung produzieren. Zudem assimilieren die Leguminosen bei geringer Nachlieferung aus dem Boden den Stickstoff aus der Luft, während sie bei einer Überversorgung im Boden den überflüssigen Stickstoff binden. Tipps zur Zusammensetzung von Mischungen für den Mais-Sonnenblumenanbau, den Mais-Stangenbohnenanbau und den Mais-Ackerbohnenanbau und zur Sortenwahl finden Sie hier:

Mit welcher Beize können Sie Ihr Maissaatgut schützen?

Sorgen Sie auf jeden Fall mit der passenden Beize für den optimalen Start des Maisbestandes. Welche Beizmöglichkeiten für das Anbaujahr 2023 angeboten werden, lesen Sie hier:

Welche Reifegruppe sollte man bei Maissaatgut wählen?

Das wichtigste Auswahlkriterium für Mais ist die Abreife. Mais benötigt während seiner Vegetationszeit eine bestimmte Temperatursumme bis zur Reife. Die Temperatursumme ergibt sich durch Aufsummieren der täglichen Durchschnittstemperaturen. Bei frühen Sorten liegt die Temperatursumme bei ca. 1430°C. Bei mittelfrühen Sorten bei 1500°C und bei mittelspäten Sorten bei 1570°C. Regional unterscheiden sich in Deutschland die erreichbaren Temperatursummen oft deutlich. Bei der Wahl der passenden Maissorte sollte daher auf regionale Sortenempfehlungen geschaut werden. Eine grobe Faustregel besagt, dass Ende September ein TS-Gehalt von min. 32% erreicht werden sollte. Wenn dieser TS-Gehalt viel früher oder später erreicht wird, sollte im nächsten Jahr auf Mais mit einer anderen Reifezahl zurückgegriffen werden.


Das Wichtigste in Kürze:

✅ Die Pflanzenschutzspritze ausblasen oder Frostschutz verwenden?

Ganz klar: Frostschutz nutzen. Mit dem sogenannten „Trockenlegen“ wird die Pumpe ausgebaut und alle Leitungen und Düsen der Maschine werden mit Druckluft ausgeblasen. Achtung: unbedingt Frostschutz einsetzen. Frostschutz hat den Vorteil, dass sämtliche Dichtungen und Membranen nicht austrocknen können. Außerdem kann das Frostschutzmittel im Frühjahr abgefüllt und nach der Saison problemlos wiederverwendet werden.

Welches Frostschutzmittel in der Pflanzenschutzspritze verwenden?

Eine sichere Variante ist der Einsatz von herkömmlichen Frostschutzmitteln, die biologisch abbaubar sind, die aber keinesfalls „Scheibenklar“ enthalten dürfen. Scheibenklar enthält in der Regel flüchtige Alkohole, welche mit der Zeit verdunsten und dann ihre frostsichere Wirkung verlieren.

Wie viel Frostschutz wird für die Pflanzenschutzspritze benötigt?

Für eine mittlere Anhängespritze können mindestens 50 Liter Frostschutzmittel nötig sein. Es kommt darauf an, dass vorhandenes Restwasser in der Spritze die Frostschutzlösung verdünnt – berücksichtigen Sie diesen Effekt bei der Dosierung, damit der Frostschutz auch tatsächlich gewährleistet ist.


Weiterer Fachbeitrag zum Thema:

Mais-Sortenwahl für 2023: Sind Sie vorbereitet auf Trockenheit?

Im Jahr 2022 hatten es die deutschen Landwirte vielerorts mit einer ausgeprägten Dürre zu tun. Durch zu wenig Niederschlag in den Sommermonaten wurden die Getreide- sowie die Maiserträge gedrückt. Worauf sollten Sie bei der Sortenwahl für die Ernte 2023 achten, um Ihre Maisernte gegen Trockenheit abzusichern?

Stand: 01.12.2022