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Aktuelle Situation von Kraut- und Stängelfäule in Kartoffeln

Aufgrund der hohen Niederschläge in den vergangenen Wochen ist mit einem frühen Auftreten von Phytophtora zu rechnen. Wiederkehrender Niederschlag erhöht die Gefahr von Stängelbefal noch stärker. Der Pilz wächst bei diesen passenden Bedingungen aus infizierten Mutterknollen im Stängel hoch und kann sich ebenfalls über das Bodenwasser ausbreiten. In Süddeutschland und in Niedersachsen wird schon vermehrt von Befall berichtet. Ungeschützte Ausfallkartoffeln in anderen Kulturen können später ebenfalls zur raschen Verbreitung beitragen.

Es empfiehlt sich aufgrund der dauerhaft feuchten Dämme ab einer Wuchshöhe von 20 cm mit systemisch wirkenden Fungiziden zu behandeln. Die erste Anwendung sollte spätestens 10 Tage vor dem möglichen Ausbruch einer Phytophtora-Infektion erfolgen bzw. erfolgt sein. Mit der Feuchtigkeit im Boden, der hohen Luftfeuchte und Temperaturen > 20 °C sind die Bedingungen sehr gut und das Risiko für Phytophthora-Infektionen bleibt weiterhin hoch. Besonders geeignet sind hierfür die systemisch, rückwärtswirkende und als Sporizid wirkende Produkte/Packs wie z.B. Proxanil® Extra. Propamocarb-haltige Produkte (Proxanil) sollte zu Beginn der Spritzfolge max. 2-mal eingesetzt werden. Proxanil wirkt in verschiedenen Phasen der Infektion. Zu Einen bekämpft es Phytopthora systemisch in bereits infiziertem Gewebe. Zum zweiten wirkt es antisporulierend, sodass der Ausgangsbefall nicht weiter vermehrt wird. Und drittens schützt es die Kartoffel präventiv vor neuem Befall.


Im Anschluss an die Startspritzung/en sollte mit teilsystemischen Wirkstoffen (z.B. Valis M, Cymbal Flow, Valbon o.ä) in Kombination mit Sporiziden (z.B. Ranman Top oder Shirlan) der Schutz der Kartoffel fortgeführt werden. Die sporiziden Wirkstoffe Cyazofamid (Ranman Top) und Fluazinam (Shirlan) lagern sich in der Wachsschicht ein und sind schnell und dauerhaft regenfest. Damit wird ein Einwachsen des Pilzmyzels in die Pflanze schon während der Sporenkeimung effektiv verhindert.


Bei den derzeitigen Witterungsbedingungen in Kombination mit dem vorhandenen hohen Infektionsdruck sollte ein Spritzabstand 7- max. 10 Tage nicht überschritten werden. Wird dennoch eine Anschlussbehandlung verpasst, muss daraufhin sofort kurativ mit Stoppspritzungen gegengesteuert werden, um eine weitere Ausbreitung im Bestand unbedingt zu verhindern. Bei Stoppspritzungen oder sehr hohem Krautfäuledruck sind Kombinationen aus systemischen, teilsystemischen und Kontaktfungiziden mit kurzen Spritzintervallen (3-4 Tag) notwendig. (z.B. Proxanil Extra gefolgt von Cymbal Flow + Ranman Top o.ä.). Der Wirkstoff Cymoxanil (Cymbal Flow) sollte bei unbeständigen oder feuchten Bedingungen nicht fehlen, da dieser in der Lage ist eine Infektion bis zu 2 Tagen rückwirkend zu bekämpfen, welche durch andere teilsystemische und sporizide Wirkstoffe nicht mehr bekämpft werden kann (Abb. 1). Dieser Effekt ist insbesondere auch bei starken Blattzuwachs zu beobachten, da Neuzuwachs nach einer Applikation nicht durch ausreichend durch Sporizide geschützt ist.

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Stand: 2021