Rapserdfloh: Der umfassende Praxisleitfaden zur Bekämpfung

Sophie Flick

BAT Versuchswesen und Beratung Pflanzenbau

Stand: 14.07.2026

Der Rapserdfloh wird nicht erst im Herbst bekämpft. Der Bekämpfungserfolg beginnt bereits mit der Ernte des Vorjahres und wird durch die Etablierung eines kräftigen Rapsbestandes bestimmt.

Der Rapserdfloh wird mittlerweile vielerorts als die bedeutendste Einflussgröße für den Rapsanbau gesehen. Um die ertragslimitierenden Effekte durch den Rapsschädling möglichst gering zu halten, müssen vorbeugende Maßnahmen umgesetzt werden. Der Einsatz von Insektiziden sollte dabei als Ergänzung gesehen werden und nicht als das Mittel der Wahl.

In folgendem umfassenden Praxisleitfaden werden Schritt für Schritt die wichtigsten acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen in einen zeitlichen Rahmen gesetzt. Eine zielgerichtete Umsetzung kann dazu beitragen, dem Raps eine gute Entwicklung zu ermöglichen und ihn gegenüber dem Rapserdfloh widerstandsfähiger zu machen. 

1. Nach der Ernte

Altrapsbestand

Bevor die Jungkäfer in ihr Sommerlager abwandern, befinden sie sich nach der Ernte des Rapses auf den alten Stoppeln. Um die Populationsdichte bereits hier zu reduzieren und somit den Schädlingsdruck für die neuen Rapsflächen potenziell zu senken, sollten verschiedene Pflege- und Bodenbearbeitungsmaßnahmen durchgeführt werden:

  • Rapsstoppeln mulchen
  • Strohstriegel einsetzen
  • Flache Bodenbearbeitung
  • Gleichmäßige Rückverfestigung

Folgende Ziele werden mit diesen Maßnahmen erreicht:

  • Vorhandene Käfer beseitigen ohne die aufliegenden Rapssamen zu vergraben
  • Im Boden verpuppte Rapserdflöhe schädigen
  • Ausfallraps auflaufen lassen und konsequent beseitigen (bis BBCH 12)

Neue Rapsfläche

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, die neuen Rapsflächen in einigem Abstand zu alten Rapsflächen einzuplanen. Der Rapserdfloh ist eher träge und bewegt sich normalerweise max. 1 km von seinem Schlupfort fort. Nimmt man an, dass das Sommerlager max. 1 km entfernt ist und der Käfer dann eine neue Rapsfläche anfliegt, die wiederum ebenfalls ca. 1 km entfernt ist, kann ein Abstand von 2 km zwischen vor- und diesjährigen Rapsflächen bereits dazu beitragen, den Zuflug der Käfer zu verringen.

Raps steht i. d. R. nach einer Getreidevorfrucht. Wenn das Stroh nicht abgefahren wird, sollte darauf geachtet werden, über die Einstellungen am Mähdrescher dafür zu sorgen, dass das Stroh möglichst gleichmäßig verteilt und fein gehäckselt wird. Damit wird die Grundlage für einen zügigen Abbau des Strohs gelegt. Anschließend besteht die Möglichkeit, nach Bedarf z. B. mit einem Strohstriegel etwaige Strohnester auseinanderzuziehen und die Verteilung weiter zu optimieren:  

  • Mineralisierung und Strohrotte positiv beeinflussen
  • Einheitliche Saatgutablage und gleichmäßigen Feldaufgang ermöglichen
  • Keimwasseranschluss für kräftige Rapspflanzen

2. Vor der Saat

Ein erfolgreiches Rapserdflohmanagement beginnt bereits vor und mit der Aussaat. Da die Befallsstärke im Herbst maßgeblich durch die Bestandesentwicklung beeinflusst wird, können wichtige ackerbauliche Maßnahmen dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit des Rapses zu erhöhen und Schäden zu reduzieren. Insbesondere eine sorgfältige Saatbettbereitung, die Wahl des optimalen Saattermins, eine angepasste Saatstärke, die Auswahl einer geeigneten Sorte sowie der Einsatz einer passenden Beize schaffen die Grundlage für einen zügigen Feldaufgang und eine vitale Jugendentwicklung. Ein kräftiger, gleichmäßig entwickelter Bestand kann Fraßschäden des Rapserdflohs besser kompensieren und bildet damit die Basis für ein nachhaltiges und erfolgreiches Befallsmanagement.

Abbildung rechts: Große Kluten gilt es zu vermeiden.

Das „3 × F“ der Saatbettbereitung: feucht, fein, frei von Kluten

Die Grundlage für eine schnelle und gleichmäßige Jugendentwicklung ist ein optimal vorbereitetes Saatbett.
Dabei sollte das Ziel stets das „3 × F“ sein:

  • Feucht: Vorhandene Bodenfeuchtigkeit sollte möglichst erhalten und für einen raschen Feldaufgang genutzt werden.
  • Fein: Ein feinkrümeliges Saatbett sorgt für einen guten Bodenschluss und gleichmäßige Keimbedingungen.
  • Frei von Kluten: Kluten bieten Rapserdflöhen geschützte Rückzugsorte und erschweren zudem einen gleichmäßigen Feldaufgang.

Wichtig ist dabei, den Boden nicht unnötig intensiv zu bearbeiten. Eine übermäßige Bodenbearbeitung kann die vorhandene Bodenstruktur schädigen und natürliche Gegenspieler des Rapserdflohs beeinträchtigen.

3. Aussaat

Hier gilt es die „3 × S“ aufeinander abzustimmen: Saattermin, Saatstärke und Sorte

Saattermin

Der Saattermin sollte grundsätzlich an die Witterungsbedingungen angepasst werden. Wenn die Bodenfeuchte es zulässt, ist jedoch eine frühere Aussaat zwischen dem 15. und 20. August vorteilhaft. Da der Hauptzuflug der Rapserdflöhe häufig Anfang bis Mitte September erfolgt, sollte der Raps bis dahin möglichst bereits gut etabliert sein. Größere und kräftigere Pflanzen sind besser in der Lage, Fraßschäden zu kompensieren und den anschließenden Larvenbefall zu verkraften.

Sorte

Die Sortenwahl gewinnt insbesondere bei erhöhtem Erdflohdruck oder späteren Saatterminen an Bedeutung. Hier sollten bevorzugt frohwüchsige Sorten mit schneller Jugendentwicklung gewählt werden, um eine rasche Bestandesetablierung zu fördern.

Empfehlungen für eine schnelle Jugendentwicklung:

Empfehlungen für geringes Aufstängeln im Herbst:

Empfehlungen für eine eher verhaltene Jugendentwicklung:

Saatstärke

Bei der Saatstärke gilt es, einen Kompromiss zu finden. Einerseits soll die Entwicklung kräftiger Einzelpflanzen gefördert werden, andererseits können höhere Pflanzenverluste durch Rapserdflohfraß eine etwas höhere Pflanzenzahl erforderlich machen. Die optimale Saatstärke sollte daher standort- und betriebsspezifisch gewählt werden, um sowohl die Einzelpflanzenentwicklung als auch eine ausreichende Bestandesdichte sicherzustellen.

Saatgutbehandlung (Beize)

Auch die Wahl der Beize sollte an den geplanten Saattermin angepasst werden.

  • Frühsaaten: Lumiposa bietet aufgrund seiner Wirkungsdauer einen Schutz während des frühen Entwicklungsstadiums, vor allem aber gegen die Kohlfliege.
  • Spätsaaten: Buteo Start kann aufgrund seiner kürzeren Wirkungsdauer besser zum späteren Auftreten der Rapserdflöhe passen.

In unserer Beizübersicht sehen Sie direkt auf einen Blick, welche Beizen je Züchter verfügbar sind:

Durch die Kombination eines optimalen Saatbettes (3 × F) sowie einer auf den Standort abgestimmten Strategie aus Saattermin, Saatstärke, Sorte und Saatgutbehandlung (3 × S + Saatgutbehandlung) lassen sich die Voraussetzungen für einen robusten Rapsbestand schaffen und die Auswirkungen des Rapserdflohbefalls deutlich reduzieren.

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4. Nach der Saat

Walzengang: Der Rapserdfloh ist nach seinem Zuflug, zunächst vorwiegend nachtaktiv und versteckt sich tagsüber unter Kluten. Deshalb ist bei klutigen Böden nach der Saat, sofern möglich, ein Walzengang angeraten, damit man ihm diese Rückzugsmöglichkeiten nimmt und die Population auf dem Schlag reduziert. Zudem wird dadurch ein besserer Bodenschluss erreicht, Kapillarität hergestellt und gleichzeitig eine bessere Keimung und Auflauf erreicht.

Wachsam bleiben: Überwachen und kontrollieren Sie den Zuflug des Rapserdflohs lückenlos, um die Populationsdynamik zu verfolgen. Stellen Sie hierzu direkt nach der Aussaat Gelbschalen am Rand Ihrer Schläge auf, um die Einwanderung in die Flächen zu überwachen. Graben Sie die Gelbschalen etwas in den Boden ein, der Rapserdfloh bewegt sich nach dem Zuflug hüpfend im Bestand und springt eher zufällig in die Gelbschale. Sichtbonituren sind anfangs aufgrund der Nachtaktivität auch nachts, am besten mit Taschenlampe durchzuführen.

Weitere Schädlinge: Insbesondere Schnecken können den Raps im Jugendstadium schwer schädigen und zu Pflanzenausfällen führen. Insbesondere auf Mulchsaatflächen ist besondere Vorsicht geboten. Kontrollieren Sie mittels Schneckenfolien den Befall der Flächen und handeln Sie bei Schadschwellenüberschreitung. Eine Schnecke kann pro Nacht mehrere Keimlinge verzehren. 

Wachstum fördern: Eine optimale Nährstoffversorgung mit Makro- und Mikronährstoffen sorgt für vitale Rapsbestände. Diese zeigen sich in der Praxis resilienter gegen Schädlingsbefall und können beispielsweise Fraßschäden des Rapserdflohs besser kompensieren. Winterraps kann im Herbst bei optimalen Bedingungen bereits über 100 kg N/ha aufnehmen. Eigene Versuche zur Herbstdüngung in Winterraps zeigen, dass mit einer höheren N-Düngung im Rahmen der DüV von 52 kg N/ha (im Vergleich zu 22 kg N/ha) eine bessere Vitalität im Herbst und Frühjahr und höhere Erträge im Bereich von 4-6 dt/ha erzielt werden konnten. Auch die Mikronährstoffversorgung spielt hier eine entscheidende Rolle, insbesondere Bor (Hohlherzigkeit), Mangan (Photosynthese) und Molybdän (N-Effizienz) sind von besonderer Wichtigkeit, um das volle Ertragspotenzial auszuschöpfen. 

Wachstum regulieren: Um Ertragsausfälle durch Auswinterung zu vermeiden, gilt es ein Überwachsen der Bestände vor Winter zu verhindern und die Winterhärte zu erhöhen. Insbesondere bei Frühsaaten besteht die Gefahr des Überwachsens vor Winter, was mit wuchsregulierenden Maßnahmen verhindert werden kann. Ziel ist ein Wurzelhalsdurchmesser von 0,8-1,0 cm, ein Abheben des Vegetationkegels ist zu vermeiden. Hierzu steht eine Reihe an Fungiziden zur Verfügung, welche gleichzeitig die klassische Herbstkrankheit Phoma bekämpfen.

5. Insektizidstrategie

Schutz der jungen Rapspflanzen vor Fraßschäden

Die Bekämpfungsschwelle vom 1 bis 4 Blatt-Stadium liegt bei 10 % Lochfraß oder > 50 Käfer/Gelbschale innerhalb von drei Wochen. Die Spritzung mit einem Pyrethroid sollte aufgrund der erhöhten Aktivität der Käfer in den Abendstunden, vorrangig abends/nachts, erfolgen. Ausreichende Wassermengen (200 l/ha) und der Zusatz von Additiven zur Absenkung des pH-Wertes und der Wasserhärte unterstützen die Wirkungssicherheit. Pyrethroide haben aufgrund ihrer hohen intrinsischen Aktivität einen Knock-Down-Effekt. Wenn dieser aufgrund von vorhandener SKdR nicht mehr greift, kann in den Bundesländern MV, SH, RP und BW auch ein Cyantraniliprole-haltiges Produkt zum Schutz vor Fraßschäden eingesetzt werden. 

Abbildung rechts: Fraßschaden beim jungen Raps.

Schutz der Rapspflanzen vor der Eiablage der Käfer

Nach dem Zuflug des Erdflohs erfolgt eine Umstellung der Wärmeempfindlichkeit. Während der Käfer für den Zuflug noch Temperaturen über 16 °C benötigt, so erfolgt der Reifungsfraß und die spätere Eiablage schon bei Temperaturen von 6-8 °C. Nach einem ca. 10-14-tägigen Reifungsfraß beginnen die Weibchen mit der Eiablage in den Boden. Ab diesem Zeitpunkt geht es bei der Bekämpfung des Erdflohs in erster Linie um die Verhinderung der Eiablage. Eine Kontrolle der Gelbschalen ist dabei bis in den Spätherbst/Winter notwendig, wenn die Temperaturen nicht langfristig unter 5 °C absinken. 

Zum Zeitpunkt der Eiablage kann auf das seit dem letzten Jahr zugelassene Produkt Carnadine zurückgegriffen und damit ein Wirkstoffwechsel vorgenommen werden. Der optimale Behandlungszeitpunkt für Carnadine liegt beim Zeitpunkt der Eiablage, dem Schlupf der Larven und dem darauffolgenden Einbohren der Larven in die Blattstiele der unteren Blätter. Carnadine wirkt systemisch und kann zusätzlich zur Wirkung gegen adulte Tiere vor allem Larven im frühen Stadium (L1) deutlich reduzieren. Zudem werden die adulten Tiere im Bestand an einer weiteren Eiablage gehindert. Den Einsatz von Exirel empfehlen wir zu einem späteren Zeitpunkt, ca. Ende Oktober-Mitte November um möglichst viel Larven zu erfassen.

Hinweis:

Achten Sie zudem auf das Auftreten weiterer Schadinsekten wie dem schwarzen Kohltriebrüssler (Zuflug ab etwa Mitte September) und Blattläusen (Überträger des Wasserrübenvergilbungsvirus TuYV). Zur Rüsslerbekämpfung eignen sich Pyrethroide, Blattläuse sitzen meist auf der Blattunterseite, sodass sich hier ein systemisches Insektizid wie beispielsweise Teppeki / Afinto anbietet.

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Das Wichtigste in Kürze

✅ Wann beginnt eine erfolgreiche Bekämpfung des Rapserdflohs?

Bereits direkt nach der Rapsernte des Vorjahres. Durch Maßnahmen wie Stoppelbearbeitung, Mulchen und die Beseitigung von Ausfallraps lässt sich der Schädlingsdruck frühzeitig verringern und die Population reduzieren.

✅ Wie sollte das Saatbett für einen widerstandsfähigen Rapsbestand vorbereitet werden?

Entscheidend ist das Prinzip „3 × F“: feucht, fein und frei von Kluten. So wird ein gleichmäßiger Feldaufgang gefördert, die Jugendentwicklung beschleunigt und dem Rapserdfloh werden weniger Rückzugsorte geboten.

✅ Warum ist eine frühe und kräftige Rapsentwicklung gegen Rapserdfloh wichtig?

Gut entwickelte Rapspflanzen können Fraßschäden und späteren Larvenbefall deutlich besser ausgleichen. Eine passende Kombination aus Saattermin, Sorte und Saatstärke stärkt die Widerstandskraft des Bestandes.

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