Acker-Fuchsschwanz und Weidelgräser gehören zu den hartnäckigsten Ungräsern, insbesondere im Anbau von Wintergetreide. Sie breiten sich schnell aus und können Erträge erheblich schmälern. Zunehmende Resistenzen und fehlende Wirkstoffe erschweren die Kontrolle zusätzlich.
Wer die wichtigsten Arten und Eigenschaften kennt, kann die richtigen Entscheidungen treffen – sei es für die Auswahl von Maßnahmen, das Timing oder die Priorisierung der Felder. Wissen hilft, Kontrolle über seine Felder zu behalten und gezielt gegen Acker-Fuchsschwanz & Co. vorzugehen.
Acker-Fuchsschwanz & Co.
Acker-Fuchsschwanz ist ein winterannuelles Süßgras, das sich über Samen vermehrt. Es keimt meist im Herbst und bevorzugt feuchte, schwere Böden. Eine Pflanze kann bis zu 600 Samen bilden. Acker-Fuchsschwanz ist konkurrenzstark im Wurzelbereich und hemmt die Keimung von Kulturpflanzen. Er fördert Lager, Mehltau und Mutterkorn und kann bereits bei 100 Ähren/m² zu 3–5 dt/ha Ertragsverlust führen. Bei einseitiger Herbizidanwendung entsteht rasch Resistenz – integriertes Management ist entscheidend.
Der Acker-Fuchsschwanz ist ein winterannuelles Süßgras, das seinen Lebenszyklus nahezu vollständig an den Herbst- und Winteranbau angepasst hat. Die Vermehrung erfolgt ausschließlich generativ über Samen. Daraus ergibt sich, dass das Management der Samenproduktion und der Samenbank den zentralen biologischen Hebel in der Bekämpfung darstellt. Bereits geringe Pflanzenzahlen können durch eine hohe Samenproduktion zu einer massiven Anreicherung der Samenbank führen und langfristig den Bekämpfungsaufwand erheblich erhöhen.
In Bezug auf seine Standortansprüche bevorzugt Acker-Fuchsschwanz feuchte, schwere und gut wasserhaltende Böden. Charakteristisch ist seine hohe Toleranz gegenüber Staunässe, die ihn gegenüber vielen Kulturpflanzen, insbesondere Winterweizen und Winterraps, konkurrenzstärker macht. Eine funktionierende Dränage wirkt daher nicht nur indirekt über die Förderung der Kulturpflanze, sondern auch direkt bestandsreduzierend auf den Acker-Fuchsschwanz.
Genetisch ist der Acker-Fuchsschwanz als ausgeprägter Fremdbefruchter gekennzeichnet. Innerhalb eines Schlages treten meist zahlreiche Genotypen und Phänotypen gleichzeitig auf. Der Pollenflug über mehrere Meter führt zu einer kontinuierlichen Durchmischung der Populationen. Diese hohe genetische Variabilität stellt die Grundlage für eine schnelle Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen dar und begünstigt insbesondere die rasche Entwicklung von Herbizidresistenzen unter hohem Selektionsdruck.
Konkurrenzverhalten und Schadpotenzial
Im Wurzelraum zeigt der Acker-Fuchsschwanz eine außerordentlich hohe Konkurrenzkraft. Er nimmt Wasser und Nährstoffe frühzeitig auf und kann dadurch bereits im Herbst die Entwicklung der Kulturpflanze nachhaltig schwächen. Zusätzlich wurden allelopathische Effekte beschrieben, bei denen die Keimung benachbarter Pflanzen gehemmt wird. Oberirdisch ist der Acker-Fuchsschwanz zwar empfindlicher gegenüber starker Konkurrenz, zeigt jedoch in Bestandslücken ein extremes Bestockungsvermögen. Freistehende Pflanzen können aus oberirdischen Knoten weiter bestocken und sehr hohe Ährenzahlen ausbilden.
Die Samenproduktion ist entsprechend hoch. Unter durchschnittlichen Bedingungen werden etwa 600 Samen pro Pflanze gebildet, wobei in Abhängigkeit von Konkurrenzsituation und Standraum erhebliche Streuungen auftreten. In Extremfällen können einzelne Pflanzen mehrere hundert Ähren mit jeweils bis zu 100 Samen ausbilden. Diese enorme Reproduktionsleistung erklärt, warum bereits geringer Besatz ausreicht, um die Samenbank innerhalb eines Jahres massiv aufzufüllen.
Die Keimungsbiologie des Acker-Fuchsschwanzes ist eng an den Herbst gekoppelt. Etwa 80 % der Keimung erfolgen im Zeitraum September bis Oktober. Der Acker-Fuchsschwanz ist ein ausgeprägter Lichtkeimer, wobei bereits extrem kurze Lichtreize ausreichen, um die Keimung auszulösen. Die Hauptkeimung erfolgt aus Bodentiefen von etwa 2 bis 5 cm. Tiefer liegende Samen verbleiben zunächst in Keimruhe, können jedoch bei erneuter Verlagerung an die Oberfläche wieder keimfähig werden. Die optimale Keimtemperatur liegt zwischen 10 und 20 °C, wobei Keimung bereits ab etwa 2 °C möglich ist. Diese Eigenschaften erklären, warum Bodenbearbeitung sowohl fördernd als auch reduzierend wirken kann, abhängig von Zeitpunkt und Intensität.
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Samenbank und langfristige Populationsdynamik
Die Samenbank des Acker-Fuchsschwanzes stellt das „Gedächtnis des Bodens“ dar. Auf schweren, feuchten Standorten können Samen fünf bis sieben Jahre keimfähig bleiben, in Einzelfällen sogar deutlich länger. Unter trockenen Lagerbedingungen wurde eine Lebensfähigkeit von über zehn Jahren beschrieben. Neben der Keimung tragen Fraß durch Vögel, Nager, Insekten und Regenwürmer sowie mikrobielle Zersetzungsprozesse zur Reduktion der Samenbank bei. Eine ungestörte Stoppelphase nach der Ernte fördert diese natürlichen Verluste und ist daher ein wichtiger Baustein im integrierten Management.
Herbizidresistenz als zentrales Problem
Der Acker-Fuchsschwanz gilt heute als das wichtigste herbizidresistente Ungras im europäischen Ackerbau. Bereits seit den 1980er Jahren werden in Deutschland resistente Biotypen nachgewiesen. Seitdem hat sich die Resistenzsituation dynamisch verschärft, wobei heute zunehmend multiple Resistenzen auftreten.
Grundsätzlich werden zwei Hauptformen der Herbizidresistenz unterschieden. Bei der Wirkortresistenz (Target Site Resistance, TSR) ist das Zielenzym des Herbizids genetisch verändert, sodass der Wirkstoff nicht mehr wirksam binden kann. Besonders betroffen sind ACCase Hemmer sowie ALS Hemmer. In der Praxis führt TSR häufig zu vollständigen Wirkungsverlusten, die weder durch Dosiserhöhungen noch durch Mischungen kompensiert werden können.
Die metabolische Resistenz (Non Target Site Resistance, NTSR) beruht auf einer erhöhten Entgiftungsleistung der Pflanze. Dabei können mehrere Wirkstoffgruppen gleichzeitig betroffen sein, einschließlich bodenwirksamer Herbizide. NTSR äußert sich oft zunächst in Teilwirkungen, die in der Praxis leicht übersehen werden, jedoch langfristig einen hohen Selektionsdruck auf die Population ausüben.
Ungräser in Deutschland
Der Ungrasdruck durch Acker-Fuchsschwanz sowie Deutsches und Welsches Weidelgras nimmt zu. Die Karten zeigen, wo Handlungsbedarf besteht. Integrierte Maßnahmen wie Fruchtfolge, Sortenwahl und mechanisch-chemische Bekämpfung sind entscheidend, um Ertragsverluste zu vermeiden.
Der Lichtblick in der Ungraskontrolle
Mit Luximo®, dem neuen bahnbrechenden Wirkstoff von BASF Agricultural Solutions, beginnt eine neue Ära im Kampf gegen Acker-Fuchsschwanz, Weidelgras und andere Ungräser.
Die Notfallzulassung für Luxinum® ist da!
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat für das Herbizid Luxinum® (mit dem Wirkstoff Luximo®) eine Notfallzulassung für 400.000 Hektar Winterweichweizen erteilt. Vom 1. September bis 29. Dezember 2026 darf das Produkt zur Acker-Fuchsschwanzkontrolle in Winterweichweizen angewendet werden.
Luxinum & Pico ist eine Herbizidkombination zur Bekämpfung von sowohl Acker-Fuchsschwanz als auch resistenten Acker-Fuchsschwanz Biotypen. Luxinum enthält einen neuen Wirkstoff mit neuartigem Wirkungsmechanismus und bietet auch unter trockenen Bedingungen eine zuverlässige Wirkung. Für ein ungestörtes Wachstum des Weizens und eine optimale Wirkung von Luxinum ist die Anwendung in Kombination mit Pico zu empfehlen. Pico ist ein Blatt- und Bodenherbizid, welches gegen eine Vielzahl von Unkräutern wirkt. Der Wirkungseintritt von Pico erfolgt auch bei niedrigen Temperaturen.
Luxinum: 750 g/l Cinmethylin
Pico: 750 g/kg Picolinafen
Herbizidkombination zur Bekämpfung von Acker-Fuchsschwanz in Winterweichweizen
Jedes Jahr zeigt sich: Acker-Fuchsschwanz ist ein Gegner, der im Feld keine Pause macht. Das Video zeigt, wie sich das Problem entwickelt und warum integrierte Strategien wichtiger sind, denn je:
Das Wichtigste in Kürze
✅ Warum ist Acker-Fuchsschwanz im Getreideanbau so problematisch?
Acker-Fuchsschwanz konkurriert stark um Wasser und Nährstoffe, schwächt Kulturpflanzen frühzeitig und kann bereits bei geringem Besatz deutliche Ertragsverluste verursachen. Zudem breitet er sich durch seine hohe Samenproduktion sehr schnell aus.
✅ Warum entstehen bei Acker-Fuchsschwanz häufig Herbizidresistenzen?
Die hohe genetische Vielfalt begünstigt eine schnelle Anpassung an Herbizide. Durch den wiederholten Einsatz gleicher Wirkstoffe können Resistenzen entstehen, wodurch Herbizide ihre Wirkung teilweise oder vollständig verlieren.
✅ Wie lässt sich Acker-Fuchsschwanz langfristig erfolgreich bekämpfen?
Entscheidend ist ein integriertes Management aus Fruchtfolge, angepasster Bodenbearbeitung, Förderung der Kulturpflanze und gezieltem Herbizideinsatz. Ziel ist es, die Samenbank im Boden zu reduzieren und neue Resistenzen zu vermeiden.
Für ggf. oben genannte Anwendungsempfehlungen gilt: Alle Rechte vorbehalten. Keine Weitergabe an Dritte! Alle Angaben wurden nach bestem Wissen erstellt. Die Umsetzung erfolgt auf eigenes Risiko. Die Gebrauchsanweisung der Produkte wird durch diese Empfehlung nicht ersetzt und muss unbedingt eingehalten werden.
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