Gut geplanter Herbizid-Einsatz für eine sichere Kartoffelernte

Die Kartoffelsaison 2020 ist gestartet, die Pflanzung läuft in vielen Betrieben auf Hochtouren und ist für Frühkartoffeln und auf gut befahrbaren Standorten auch bereits weitgehend abgeschlossen. In engen Fruchtfolgen und beim überschaubaren Angebot an zugelassenen Mitteln, ist die Auswahl des passenden Herbizides gar nicht so einfach. Welche Wirkstoffe können eingesetzt werden und was sollte bedacht werden?

Zuerst sollten die Möglichkeiten der mechanischen Unkrautbekämpfung konsequent genutzt werden, wie beispielsweise das Anhäufeln der Dämme. Diese Maßnahme sorgt zudem für einen stabilen Damm und gute Wuchsbedingungen der Kartoffeln, es lohnt daher immer. Nach dem Auflaufen reagiert die Kartoffel auf Unkrautdruck sehr empfindlich. Um den Ertrag und die Qualität zu sichern, ist daher die konsequente Bekämpfung der Hauptunkräuter Weißer Gänsefuß, Bingelkraut, Knöterich, Klettenlabkraut und Schwarzer Nachtschatten mit ausgewählten Herbiziden unumgänglich.


Welche Wirkstoffe können eingesetzt werden?

Wichtig bei der Mittelauswahl ist, die hohe Blattempfindlichkeit der Kartoffel im Blick zu haben. Deshalb kommen vor allem Bodenherbizide mit einer guten Langzeitwirkung zum Einsatz. Mit Prosulfocarb, Metribuzin, Aclonifen, Clomazone, Metobromuron und Flufenacet stehen sechs vorwiegend bodenaktive Wirkstoffe für die Vorauflaufbehandlung zur Verfügung. Für das zielgerichtete Ausschalten der Unkräuter im Nachauflauf können die Wirkstoffe Metribuzin, Rimsulfuron sowie die Kombination aus Prosulfocarb und Metribuzin eingesetzt werden.


Welches Produkt passt?

Für einen erfolgreichen Herbizideinsatz ist es wichtig, die zu erwartende Unkrautflora der einzelnen Schläge genau zu kennen. Zu den am meisten eingesetzten Herbiziden im Kartoffelanbau gehören Bandur, Sencor Liquid, Proman und Boxer:

Bandur enthält den Wirkstoff Aclonifen, der vorwiegend bodenaktiv wirkt. Dieser Wirkstoff ist weniger abhängig von der Bodenfeuchte als andere und wirkt auch gegen triazinresistenten Gänsefuß. Bandur sollte deutlich vor dem Durchstoßen der Kartoffeln eingesetzt werden.

Sencor Liquid enthält den Wirkstoff Metribuzin, der sowohl über das Blatt als auch über den Boden wirkt. Das Herbizid ist flexibel vom Vorauflauf bis zum frühen Nachauflauf (bis 5 cm) einsetzbar. Besonders im Vorauflauf wirkt Sencor Liquid optimal gegen Weißen Gänsefuß, Kamille und Stiefmütterchen. Die Metribuzinempfindlichkeit mancher Kartoffelsorten muss beachtet werden. Hier hilft ein Blick auf die Sortenliste des Herstellers.

Proman enthält den Wirkstoff Metobromuron und kann noch bis kurz vor dem Durchstoßen ausgebracht werden. Metobromuron wird über die Wurzeln der Unkräuter aufgenommen und hemmt die Photosynthese. Der Wirkstoff bleibt über einige Wochen in der oberen Bodenschicht wirksam, somit werden auch später keimende Unkräuter erfasst. Besonders überzeugend ist die Wirkung von Proman bei Weißem Gänsefuß und Stiefmütterchen.

Boxer basiert auf dem Wirkstoff Prosulfocarb und kann noch bis kurz vor dem Durchstoßen eingesetzt werden. Sowohl keimende als auch bereits aufgelaufene Unkräuter und Ungräser im Keimblattstadium werden erfasst. Hat ein Großteil der Unkräuter bereits Laubblattstadium erreicht, empfiehlt sich die Ergänzung mit einem Produkt wie beispielsweise Quickdown. Boxer wirkt besonders zuverlässig gegen Klettenlabkraut.


Voraussetzungen für den Erfolg

Neben der Auswahl des passenden Herbizides gibt es einige weitere Punkte, die entscheidend sind für den Erfolg der Pflanzenschutzmaßnahme:

  • Frühzeitige Dammformung in hoher Qualität, damit auf den feinkrümligen gut abgesetzten Böden die eingesetzten Bodenpräparate voll zur Wirkung kommen und sich keine Setzrisse bilden
  • Festlegung des optimalen Spritztermines unter Berücksichtigung von Unkrautgröße, Bodenzustand und Mittelanforderungen
  • Ausbringung der Bodenherbizide im Vorauflauf möglichst auf feuchten Böden. Bei Trockenheit sollten Produkte mit geringeren Ansprüchen an die Bodenfeuchtigkeit genutzt werden, bereits aufgelaufene Unkräuter können durch Zugabe von Quickdown + Toil bekämpft werden
  • Nachauflaufbehandlungen gegen zweikeimblättrige Unkräuter sollten nur als Notmaßnahme durchgeführt werden, beispielsweise wenn es nach einer bereits durchgeführten Maßnahme zu einer weiteren Unkrautwelle kommt.

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Stand: 2020