Aktuelle Situation im Getreide

In einigen Regionen Deutschlands (insbesondere in Norddeutschland) hat aufgrund der äußerst ungewöhnlichen, nassen Herbstwitterung die Strategie bei den Herbizid-Anwendungen nicht überall so gut funktioniert. Durch die hohen Niederschläge erfolgt die Getreideaussaat in den Kulturen verspätet. Daher sollte in diesen Gebieten die Strategie angepasst werden, um sowohl die Wirkung als auch die Verträglichkeit für das Getreide zu sichern.

Zunächst ein paar grundsätzliche Gedanken dazu:

  • Getreide, das bis Ende Oktober gedrillt wird, sollte noch im Herbst mit Herbiziden behandelt werden, weil die Bodenherbizide im Herbst höhere Wirkungsgrade besitzen und meist auch verträglicher sind als reine Frühjahrsanwendungen.
  • Getreide ist vor allem im 2-Blatt-Stadium empfindlich gegenüber Herbiziden, weil die Pflanzen dann von Ernährung aus dem Korn, auf Wurzelernährung umstellen. Vor allem bei den wassergesättigten Böden kann es mal kritisch werden.
  • Herbizid-Anwendungen sind grundsätzlich auch im November bei entsprechender Witterung noch möglich, bei einigen Herbiziden ist dies durch die Auflage NW 800 (keine Anwendung auf dränierten Flächen zwischen 01.11. und 15.03.) limitiert. Herbizide mit der Auflage NW 800: Diflanil 500 SC, Trinity, Viper Compact, Bacara Forte sind mit 1,0 l/ha zugelassen im Vorauflauf.

Bei den sehr nassen Bedingungen zur Zeit geht es also darum, einen guten Kompromiss aus Verträglichkeit und Wirkung hinzukriegen, besonders auf Ackerfuchsschwanzflächen, wo hohe Mengen an Flufenacet für eine gute Wirkung unerlässlich sind.

Gerste auf Ackerfuchsschwanzflächen:

Bei schwer bekämpfbarem Ackerfuchsschwanz geht jetzt Wirkung vor Verträglichkeit, denn im Frühjahr gibt es in der Gerste keine Möglichkeit mehr gegen den Ackerfuchsschwanz. Ist die Gerste noch im 1-Blatt-Stadium und der Ackerfuchsschwanz gerade aufgelaufen, dann kann jetzt noch wie geplant behandelt werden, d.h. 240 g/ha Flufenacet in Form von z.B. 0,3 l/ha Herold SC + 2,0 l/ha Malibu oder 0,75 l/ha Bacara Forte + 0,3 l/ha Cadou SC.

Der Zusatz von Boxer/Roxy im Nachauflauf sollte aus Verträglichkeitsgründen vermieden werden, vor allem in Mischungen mit diflufenicanhaltigen Produkten, wie Herold SC oder Bacara Forte. Das wären zu viele Bodenwirkstoffe, die auch das Getreide nicht so leicht wegsteckt, vor allem wenn es dann nach der Anwendung nochmal wieder stärker regnet.

Hat der Ackerfuchsschwanz schon zwei oder mehr Blätter (und die Gerste ist im (2)-3 Blatt-Stadium), dann kann es sinnvoll sein, die Wirkung der Bodenherbizide durch den Zusatz von 0,9 l/ha Axial 50 EC als blattwirksames Mittel zu unterstützen. Die Flufenacetmenge sollte dabei aber möglichst nicht reduziert werden.

Mischung mit Insektiziden oder Spurennährstoffen:

Ab dem 2-3 Blatt-Stadium können auch bereits Spurennährstoffe (Mangan, Kupfer, Zink) zur „Einwinterung“ der Gerste mit ausgebracht werden. Auch wenn es vielleicht noch ein bisschen zu früh erscheinen mag, jetzt bereits Spurennährstoffe mitzunehmen, in dem verbleibenden Herbst werden schon aus Zeitgründen kaum noch mehr Durchfahrten möglich sein.

Auch auf Läuse ist zu achten. Bei hellem, sonnigen Wetter sind die Läuse sehr gut auf den Blättern zu erkennen. Die Mischung aus Bodenherbizid, Blattdüngung und Insektizid ist in der Regel möglich. Ist Axial 50 EC mit dabei, dann sollte eher kein Blattdünger zugemischt werden. Beim Insektizid ist dann vorrangig eine EC-freie Formulierungen zu wählen, wie z.B. Karate Zeon oder Hunter. EC-Formulierungen wirken eher nochmal anschärfend auch auf die Herbizide.

Bei Gerste im 1-2 Blatt-Stadium auf Windhalmstandorten besteht eigentlich kein Problem, hier können die Herbizid-Behandlungen wie geplant ausgebracht werden, sobald die Böden befahrbar sind. Ein Zusatz von z.B. 20 g/ha Pointer SX/Trimmer SX unterstützt die Wirkung auf bereits aufgelaufene Unkräuter.

Roggen auf Windhalmstandorten:

Roggen reagiert oft empfindlicher auf Flufenacet als Weizen, vor allem auf leichten Böden. Als verträgliche Lösungen im 1-2 Blatt-Stadium mit guter Wirkung gegen Gräser und Unkräuter eignen sich folgende Möglichkeiten:

  • 0,2 – 0,3 l/ha Herold SC (NW 605: 90%=5m, NW 706, NT 102) + 15 g/ha Lexus (NT 101)
  • 0,5 l/ha Bacara Forte (NW 605: 90* = länderspezifischer Mindestabstand, NT 101) + 15 g/ha Lexus (NT 101)

Roggen, der erst ab dem 20. Oktober aufläuft, braucht nicht mehr zwangsläufig im Herbst mit Herbiziden behandelt werden, das ist auch im Frühjahr möglich.

Weizen auf Ackerfuchsschwanzflächen:

Bei Weizen auf Ackerfuchsschwanzflächen sollte auf jeden Fall noch eine Herbstbehandlung mit Bodenherbiziden durchgeführt werden, auch noch bis Anfang/Mitte November. Da die meisten Weizenflächen gerade erst auflaufen, bzw. noch gar nicht gesät sind, muss sich an der geplanten Strategie nichts ändern. 240 g/ha Flufenacet in Form von z.B. Herold SC, Malibu, Cadou Forte Set, Fence sind auch bei späteren Terminen einzusetzen.

Die Anwendung von Atlantis WG im Herbst ist nur in absoluten Ausnahmefällen auf Flächen, wo eine Herbizid-Anwendung bisher nicht möglich war und der Ackerfuchsschwanz jetzt schon zwei oder mehr Blätter hat, sinnvoll.

Weizen auf Windhalmstandorten:

Auch im Weizen sind Bodenherbizide gegen Windhalm im Herbst meist kulturverträglicher als die Frühjahrsherbizide. Wenn allerdings sehr spät gesät wird, dann kann der Weizen einen „Schaden“ im Frühjahr eher kompensieren. Es gilt ähnlich wie im Roggen, bei Novemberweizen (nach Mais oder Zuckerrüben) kann die Herbizid-Anwendung auch im Frühjahr erfolgen, Möglichkeiten sind dann genügend vorhanden. Bis Ende Oktober kann auf leichteren Windhalmstandorten z.B. folgende, gut verträgliche Mischung auf Windhalmstandorten eingesetzt werden:

  • 0,15 l/ha Fence + 15 g/ha Lexus (NT 101) + 0,12 l/ha Diflanil (NW 607: 90%=10m, NW 706, NT 108, NW 800)

Aktuelle Situation im Raps:

Der Raps präsentiert sich zur Zeit regional sehr unterschiedlich, auf den wassergesättigten Böden tut er sich allerdings schwer, weil kaum Sauerstoff im Boden ist und sich die Wurzeln kaum entwickeln können.

Die Niederschläge der vergangenen Wochen fördern das Risiko einer Phomainfektion. Wenn die Befahrbarkeit es zulässt, sollte eine Phomabehandlung durchgeführt werden. Die Aufwandmengen der Produkte sind für die Phomawirkung immer höher anzusetzen als für die einkürzende Wirkung. Ist der Raps noch nicht so gut entwickelt, sind dann eher „sanftere“ Produkte zu bevorzugen, wie z.B. :

  • Tilmor (0,5 – 1,0 l/ha), Matador (0,5 – 0,8 l/ha) oder auch Tebucur (0,5 –0,8 l/ha)

Wo noch Unkräuter nachzubehandeln sind, kann noch Runway mit 0,2 l/ha eingesetzt werden. Die Kombination mit der Phomabehandlung ist möglich.

Stand: 2018